Protokoll eines Lebenskampfes
Als sich Benjamin Britten Ende der 1960er Jahre mit der Vertonung von Thomas Manns «Tod in Venedig» zu beschäftigen begann, stellte er sich einer Herausforderung, die er sein ganzes Leben über gescheut hatte. «Ich bin so mutig, das Beste zu machen, was ich jemals geschaffen habe», äußerte sich der zu diesem Zeitpunkt schon schwerkranke Komponist – ein Mut, der sich nicht auf das Komponieren an sich, sondern auf die unmittelbare autobiografische Bedeutung bezog, die der Stoff besaß.
Die Zerrissenheit zwischen einem hehren apollinischen Kunstideal von Schönheit, Einfachheit und Form, das jegliche persönliche Sexualität sublimiert, und dem dionysischen Drang nach sinnlicher Erfüllung, die unerfüllte, mit zunehmendem Alter immer schmerzlicher bewusst werdende Neigung zu jungen Männern – in all diesen Konflikten des schaffensmüden Dichters Gustav von Aschenbach führte Britten zugleich die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. Der 1973 uraufgeführte «Death in Venice» ist so vor allem Protokoll eines Kampfes, der weit über den Charakter einer schwulen Coming-Out-Story hinausgeht und in letzter Konsequenz vermutlich nicht einmal die Venedig-Kulisse bräuchte. Der Künstler, der jeden Ort ...
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Richard Gill, Dirigent der neuen Oper «Rembrandt’s Wife» von Andrew Ford, gab vor der Uraufführung zu Protokoll, er finde es sehr «erfrischend, dass dieses Werk eines australischen Komponisten kein australisches Sujet behandelt». Das war durchaus schmeichelhaft gemeint. Denn wirklich liegen den meisten in Australien entstandenen Opern Themen zugrunde, die in Europa...
Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte...
Immer wieder gewährt die Nationaloper Helsinki in dieser Spielzeit ihren Besuchern einen Blick auf die Seele Finnlands, so wie sie sich in Werken einheimischer Komponisten während der letzten 150 Jahre spiegelte. Hierzu gehört auch Leevi Madetojas erste Oper «Pohjalaisia» (Die Ostbottnier), die 1924 in Helsinki mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Das Opus empfand...
