Prekär
Aki Kaurismäkis Kultfilm «Das Leben der Bohème» hat offenbar einen Paradigmenwechsel in der Opernregie eingeleitet. Heute wird Puccinis Adaption des Romans von Henri Murger jedenfalls vorwiegend in modernen Kostümen gespielt. Sängerische Schwergewichte wie Luciano Pavarotti und Montserrat Caballé in historischem Outfit würden wohl kaum noch Furore machen. Authentizität heißt jetzt das erste Regiegebot, dafür nimmt man auch geringere Stimmkaliber in Kauf.
Im Falle von «La Bohème» schafft die Aktualisierung der Handlung keine Probleme, denn die prekäre Existenz von Künstlern, die sich fallweise in Wohngemeinschaften zusammenfinden, ist immer noch ein Thema.
In einer Produktion aus Malmö ist die optische Modernisierung weitgehend gelungen, wobei hier das fast surreale Bühnenbild von Leslie Travers den früher üblichen szenischen Illusionismus suspendiert. Die Bohèmiens hausen in einem engen Wolkenkuckucksheim unter freiem Himmel, das Café Momus wird durch hin und her fahrende Sitzecken manifest, Mimìs Tod findet nicht in der Mansarde, sondern auf der Straße statt. Die Inszenierung der Irin Orpha Phelan hält die Sängerdarsteller zu natürlichem Agieren an. Gesungen wird in allen ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Ekkehard Pluta
Das Lamento ist beinahe so alt wie die Kunstform selbst. Die Oper, heißt es, sei auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Verstaubt, verzopft, verkrustet, zu sehr dem Kanon weniger Werke verhaftet. Diese Diagnose stellt neuerlich auch der Musikwissenschaftler Jörn Peter Hiekel in dem gemeinsam mit David Roesner herausgegebenen Buch «Gegenwart und Zukunft des...
Einen ausgewiesenen Bezug zur Opernbühne haben die drei Werke in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht. Auch lassen sie sich kaum ohne Weiteres thematisch aufeinander beziehen. Dennoch fügen sich Arnold Schönbergs «Pierrot lunaire», Kurt Weills «Mahagonny-Songspiel» und seine «Sieben Todsünden» in dieser außergewöhnlichen Inszenierung zu einem schlüssigen Tableau....
Ambivalente Gefühlswelten der Liebe lotet die französische Sopranistin Sandrine Piau in ihrer neuesten Solo-CD aus, die sie unter dem Titel «Chimère» – (zu deutsch: Hirngespinst, hier vielleicht besser übersetzt mit: schillernde Täuschung) – veröffentlicht hat. Mit ihr beschließt sie ihr Triptychon von Kunstlied-Programmen, das sie – stets an der Seite von Susan...
