Politkriminal-Liebelei

Hurel: Les Pigeons d’argile Toulouse / Théâtre du Capitole

Opernwelt - Logo

Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und Orchestermusik konzentriert, gelegentlich mit Elektronik beschäftigt.

Für sein erstes Musiktheaterstück wählte er aber keineswegs das Kammerspiel, sondern die große Oper, mit groß besetztem Orchester, üppigem Chor und sieben stark geforderten Solisten, mit einer Handlung samt Exposition, Umschwung und Katastrophe.

Für das Libretto zeichnet der Franzose Tanguy Viel verantwortlich. Gerade an den Libretti hat es bei Neuschöpfungen in den letzten Jahren ja oft ­gehapert – dieser Text bildet eine erfreuliche Ausnahme. Linksextremisten entführen die Tochter eines Milliardärs. Sie verliebt sich in einen der Entführer. Politik, Krimi, Liebesgeschichte – alles kommt hier zusammen. Verfolgungsjagden und Schießereien werden mit Gesellschaftskritik und reflexiven Phasen gemischt, die Figuren psychologisch glaubhaft angelegt. Der von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Christian Merlin

Weitere Beiträge
Eine Sache der Ehre

Er hätte nicht gehen müssen. Zwar wurde Fritz Busch, zweifellos ­einer der größten Dirigenten des ­20. Jahrhunderts, im März 1933 von SA-Horden aus seinem Amt als ­Musikchef der Dresdner Semperoper vertrieben – ein Eklat, bei dem sich das Solistenensemble (mit nur fünf Ausnahmen) und die Staatskapelle unrühmlich verhielten. Doch Hermann Göring, bei dem Fritz Busch...

Knisternde Stimmerotik

Der neue «Titus» von Nancy (in Kooperation mit der Opera North, Leeds) ist vor allem ein musikalisches Ereignis. «Tout Paris» war angereist, um nach der queeren Sechs-Männer-Legende «Artaserse» am selben Ort Franco Fagiolis Sesto-Debüt zu erleben (Idamante folgt im November in London). Und der neue Superstar am Counter-Himmel enttäuschte nicht. Gleich die ersten...

Magisch realistisch

Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks...