Plastische Klangskulpturen

Viele Jahre schrieb Unsuk Chin nur für die Schublade – und unter dem Einfluss der serialistischen Nachkriegsavantgarde. Als sie 1985 aus Südkorea nach Deutschland kam, hat sie sich gleichsam neu erfunden – auf Rat ihres ­Mentors und Lehrers György Ligeti. Seit ihre «Paten» Simon Rattle und Kent Nagano auf die stilistisch offene, unverwechselbar persön­liche Klangfantasie Chins aufmerksam wurden, ging es bergauf. Nagano, seinerzeit Chef des ­Deutschen Symphonie Orchesters Berlin, war es, der bei der Wahl-Berlinerin die erste abend­füllende Oper in Auftrag gab: «Alice in Wonderland» nach Lewis Carroll, uraufgeführt an der Bayerischen Staatsoper in München. Für «Opernwelt» schreibt Kent ­Nagano exklusiv über die «Uraufführung des Jahres». Wolfgang Schreiber porträtiert die Komponistin.

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Ich wollte keine Musik schreiben, die man mehrere Seiten lang erklären muss». Solche Entschiedenheit, geäußert kurz vor der Münchner Uraufführung von «Alice in Wonderland», sagt viel über Unsuk Chins Stellung, ihr Selbstgefühl in der Musik­landschaft der Gegenwart – in der Mitte zwischen den eigenen Wurzeln und vielfältigen westlichen Erkundungen und Erfahrungen, denen sie folgte, nachdem sie von Asien weggegangen war. Chin fühlt sich keineswegs eng der koreanischen Musiktradition verbunden, die sie offenbar nur flüchtig, als Kind und Jugendliche, kennenlernte.


1961 in Seoul geboren, bekam sie früh Klavierunterricht und ließ sich an der National University von Seoul ausbilden: in Komposition bei Sukhi Kang, einem Schüler Isang Yuns, der sie in die Musikkultur der westlichen Nachkriegs-Avantgarde einführte. Chin trat als Pia­nis­tin auf, 1984 gewann sie für das Stück «Spektra» den holländischen Gaudeamus-Musikpreis. Dann die definitive Weichenstellung – das DAAD-Stipendium 1985 zum Studium in Hamburg, wo sie bis 1988 in György Ligetis Kompositionsklasse saß. Ligeti wurde der bestimmende Lehrer und Mentor, empfahl ihr, alles serielle Komponieren aufzugeben, um ganz neu zu beginnen. ...

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Opernwelt Jahrbuch 2007
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 38
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
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