Patriotismus und Biedermeier
Metternichs Zensoren waren ihr Geld wert. Als man ihnen 1833 Albert Lortzings Vaudeville «Andreas Hofer» vorlegte, untersagten sie die Aufführung sofort. Dabei lag der Protagonist als Tiroler Volksheld mit seinem Kampf gegen die napoleonischen und bayerischen Besatzer politisch durchaus auf der Linie der Restauration – das Stück klingt nicht zufällig mit einem ostentativen «Gott erhalte Franz den Kaiser» aus. Doch all das konnte nicht vergessen machen, dass den Geschehnissen auf der Bühne in der Realität ein böses Nachspiel folgte: Auf Druck Napoleons verzichtete Franz I.
auf Tirol, Hofer wurde verraten und starb im Kugelhagel eines französischen Exekutionskommandos. Die patriotischen Töne wurden dem Stück zum Verhängnis, als Lortzing noch lebte; später wirkten sie fremd, an eine Wiederentdeckung war nicht zu denken. Wenn Ingolf Huhn, der regieführende Intendant der Erzgebirgischen Theater und Orchester GmbH, den kurzen Einakter nach 182 Jahren nun doch noch uraufgeführt hat, so zeugt das von Wagemut.
Eine gute Idee war es aber auch, ein weniger zeitgeschichtlich gebundenes Liederspiel des jungen Lortzing vorzuschalten. Wie für «Andreas Hofer» hat der Komponist auch für seinen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Carsten Niemann
Impressum
56. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752275
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 12.01.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Das ungeliebte Frühwerk» – der Titel übertreibt nicht. Und «Das Liebesverbot», ohnehin nicht zum Bayreuther Kanon gehörig, ist unter Wagners Frühwerken nochmals in besonderer Weise ungeliebt. Mögen sich die «Feen» auf die späteren romantischen Opern beziehen lassen und «Rienzi» eine gattungsgeschichtlich interessante Brücke zur Grand opéra schlagen (von der sich...
Ein Wischmopp samt rotem Eimer? Mag sein, dass in diesem augenfälligen Requisit im ersten Akt von «Fidelio» ein zentraler Deutungsansatz der britischen Regisseurin Deborah Warner steckt. Ein anderer könnte der Schluss des zweiten Akts sein, wenn unter ohrenbetäubendem Lärm eine Betonmauer in sich zusammenstürzt. Unter dem Ansturm urbaner Ikonoklasten? Ein Mauerfall...
