Paris: Nervöse Klage
Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als «Selbstgespräche» unglücklicher Frauen hat Edita Gruberova einmal diese unendlich scheinenden Linien bezeichnet.
In Vincenzo Bellinis «I puritani» wird Elvira dadurch aus der Bahn geworfen, dass Arthur, ihr Gatte in spe, kurz vor der Hochzeit mit einer anderen flieht. Dass der als Parteigänger der Königstreuen damit die Witwe des enthaupteten englischen Königs retten will, weiß sie da noch nicht. Fortan lebt sie in einer Traumwelt, ihr berühmtes «Qui la voce sua soave» richtet sie an eine Fantasiefigur. Dieses Paradestück des Belcanto gelingt Maria Agresta in der Pariser Neuinszenierung von Laurent Pelly mit ihrem eleganten, geschmeidigen und sauber fokussierten Sopran wunderbar farbig. Überhaupt durchlebt sie ihre emotionalen Achterbahnfahrten mitreißend, auch wenn die nicht immer eine dramaturgisch schlüssige Wendung nehmen ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Mathias Nofze
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen –...
Nicht nur durch ihre Liebeskünste wusste Madame Pompadour Louis XV. zu fesseln, sie sorgte sich auch um seine geistige Erbauung. Deshalb gab sie bei Jean-Philippe Rameau eine Opéra-ballet in Auftrag, die 1748 in ihrem Privattheaterchen zur Aufführung gelangte, mit ihr selbst in der Rolle der Venus. Neun Jahre später arbeitete Rameau, mittlerweile ein alter Mann,...
Mit einem Schrei der Senta wird der Zuschauer in die Pause entlassen. Der Regisseur Alexander Nerlich legte sie auf den Beginn des Finales zum zweiten «Holländer»-Akt, wo der geheimnisvolle Mann erstmals in Sentas Blickfeld tritt, genauer: wie von einer unsichtbaren Macht auf die Bühne geworfen wird. Nerlich geht es in dieser Geschichte vor allem um den Einbruch...
