Paralleluniversum, Volkshochschule
Dem bequem Üblichen und Überkommenen, dem Gewohnheitsgeplapper hat Nikolaus Harnoncourt sich stets entzogen. Auch und vor allem in der Musik. Nicht, dass man mit seiner Interpretation von Mozarts «Zauberflöte» 2012 bei den Salzburger Festspielen immer d’accord war. Manches schien doch ein wenig nach gewolltem «Anders-als-die-anderen» zu riechen, und man konnte die hoch geschätzte Korrespondentin einer großen deutschen Tageszeitung verstehen, die dem Dirigenten «altmeisterlichen Manierismus» vorwarf.
Doch wenn man Harnoncourts Lesart nun auf DVD nachprüft, überzeugt sie in ihrer Radikalität. Der dynamische und agogische Ausnahmezustand, all die Rubati, Fermaten, Generalpausen, die verzögerten Auftakte, die extremen Ritardandi, die plötzlichen Stauchungen putzen die Ohren, lassen das Stück quasi neu entstehen. Mozarts Sonne wirft bei Harnoncourt und seinem Concentus Musicus ganz ungewöhnliche Schatten, man wähnt sich quasi in einem Paralleluniversum.
Die Sängerriege indes ist von unterschiedlicher Qualität, doch dank Harnoncourt darf man hier getrost die Augen schließen und die Fantasie auf die Hörbühne schicken, denn was der Regie (Jens-Daniel Herzog) zum Stück einfiel, diese ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 39
von Gerhard Persché
Sein Name wird immer mit dem «Jahrhundert-Ring» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez verbunden bleiben: Hier schwang er sich 1976 als Wotan und Wanderer zum führenden Heldenbariton seiner Generation auf, wobei seine schauspielerische Gestaltung des Göttervaters der vokalen ebenbürtig war. Ein Sänger, dem man auch in den oft als lang empfundenen Dialogen mit Fricka...
Dass der Tonträgermarkt sich gern an Jubiläen orientiert, um für seine Produkte ein möglichst großes Maß an Aufmerksamkeit zu nutzen, ist ein altbekanntes Phänomen. Eine Lied-CD, die zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs erscheint und Werke präsentiert, die überwiegend das Thema Krieg thematisieren, ist unter den Gedenkjahresangeboten allerdings eine...
Die Internationalen Gluck-Opern-Festspiele hat 2005 der damalige Nürnberger Intendant Wulf Konold ins Leben gerufen. Im Gluck-Jahr 2014 fanden sie zum fünften Mal statt, jetzt unter der neuen Trägerschaft einer Festspiel GmbH. Der Opernreformer selbst war im Programm mit einer konzertanten Aufführung von «Iphigenie in Aulis» in der Bearbeitung Richard Wagners sowie...
