Ohne Götter wäre die Welt besser
Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis 35-minütiger «Orfeo» ist zwar «nur» eine Ansammlung von fünf Intermedien, die anlässlich der Karnevalsfeierlichkeiten im Uffizien-Palast zwischen die Akte von Torquato Tassos Schäferspiel «Aminta» eingeschoben wurden.
Spielt man sie aber, wie Vincent Dumestre und sein Ensemble Le Poème Harmonique, hintereinander (was der Untertitel «Favoletta» rechtfertigt), so zeichnet sich eine Oper ab, die sich mit jeder Note und jedem Vers auf Monteverdi/Striggios Favola «Orfeo» zu beziehen und sie pessimistisch übertrumpfen zu wollen scheint: Ausgangspunkt ist nicht der erste Tod der Euridice, sondern ihr zweiter. Die Musik hat ihre Macht verloren, Pluto bleibt diesmal hart, Proserpinas unirdisch-chromatische Fürsprache versagt, statt Vater Apoll tritt Mutter Calliope auf, nicht um ihren Sohn unsterblich zu machen, sondern um ihn zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...
Wenn es um Bühnenwerke von Jake Heggie geht, ist es müßig, à la «Capriccio» über die Frage nach dem rechten Verhältnis von Musik und Sprache («prima la musica, poi le parole») zu debattieren. Seit der in San Francisco lebende Komponist Noten setzt, hat er vor allem Texte vertont – zunächst schrieb er Songs, dann Opern («Dead Man Walking») und «musical scenes». Die...
Schade, dass Stephan Suschke sich erst im zweiten Teil des Abends darauf besann, dass Opernregie mehr bieten sollte als ausgefeilte Dialoge und ein paar bühnenwirksame Auftritte. Heinrich Marschners romantische Oper «Der Vampyr» hatte auf den Tag genau 180 Jahre nach der Leipziger Uraufführung in Würzburg Premiere – in jener Stadt also, wo der junge Richard Wagner...
