Notizbuch von den Bayreuther Festspielen 2011
1. Biete Karte
Auf der Titelseite der lokalen Tageszeitung, die mir meine aufmerksamen Wirtsleute jeden Tag neben das Frühstücksei legten, damit ich über Wagner der Welt nicht abhanden komme – im «Nordbayerischen Kurier» also –, fand sich am 30. Juli das Foto eines Menschen in einem grässlichen, rot karierten Hemd und mit einem gelben Schild um den Hals: «2 x Karten Meistersinger zu verkaufen». In Druckschrift notabene, was eher auf Planung und einen Profi schließen ließ.
Das Foto war Aufhänger für einen Artikel, der behauptete, selbst in der Premierenwoche würden vor den Aufführungen noch Tickets angeboten.
Pressesprecher Peter Emmerich kam ebenfalls zu Wort und konterte natürlich: Alle 57 700 in den Verkauf gelangten Karten seien längst weg; bei insgesamt 323 000 Vorbestellungen habe ohnehin nur jeder Sechste berücksichtigt werden können. Das Verhältnis war freilich schon mal zehn zu eins. Emmerich konzedierte denn auch ein «langfristig leichtes Nachlassen», erklärte sich das aber eher mit dem Schrumpfen des Bildungsbürgertums, der gesteigerten Freizeitvielfalt und einer Sättigung durch das enorme Wagner-Angebot anderer Bühnen. Der Druck, der auf Bayreuth liege, sei groß. Doch um ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
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