Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor

München

Opernwelt - Logo

Zur Ouvertüre wähnt man sich im fal­schen Stück: Ist das nicht der «Sommernachtstraum», der da auf einer dem Shakespeare’schen Globe-Theatre nachempfundenen Bühne (Caroline Neven Du Mont) gespielt wird – unter lebhafter Beteiligung des Volkes auf den Rängen? Doch auf einmal kommt es zur Revolte. Die Schauspieler – allesamt männlich, auch in den Frauenrollen, wie im Elisabethanischen Theater üblich – werden von der Bühne gefegt und ein Transparent entrollt: «Heute – Die Lustigen Weiber – mit echten Weibern». Was für ein schöner, ironischer Auftakt.

Den ganzen ersten Akt hält Julia Riegel dieses Spiel auf zwei Ebenen durch, indem sie die etwas geschwätzigen originalen Dialoge radikal einkürzte, aber um Shakespeare-Zitate und -Querverweise bereicherte. Dann verschwinden allmählich immer mehr Teile des Theaters auf dem Theater, bis am Ende nur noch ein Rundhorizont mit einer angedeuteten Aue übrig bleibt. Pralle Komik und Poesie, Travestie und tief empfundenes Gefühl haben nebeneinander Platz, wie auch Otto Nicolais Partitur virtuos auf einer Klaviatur der verschiedensten Stile und Tonfälle spielt.
Adrian Müller ist ein denkbar guter Anwalt für diese oft unterschätzte Partitur. Denn er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 55
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Luigi Nono in Venedig

Das Faszinierende an Venedigs Musikgeschichte ist ihre Jahrhunderte überspannende Vielfalt. Es beginnt mit Vokalpolyphonie der Renaissance und reicht, mit nur wenigen Unterbrechungen, bis ins Heute. Nach dem Zwei­ten Weltkrieg erlebte das Teatro La Fenice ein Jahrzehnt wichtiger Uraufführungen: Strawinskys «The Rake’s Progress» (1951), Brittens «The Turn of the...

Idylle und Gewalt

Der Opernkomponist Nikolai Rimsky-Korsakow muss zumindest hierzulande immer noch abbüßen, dass er den Werken seines genialeren Jugendfreundes Mus­sorg­sky mit geschönter Instrumentation meinte aufhelfen zu müssen. Dabei hat Rimsky durchaus Eigenes zu bieten, so die in jüngster Zeit mehrfach gespielte anti­zaristische Märchensatire «Der goldene Hahn» oder die jetzt...

Horror vacui

Esultate! L’orgoglio musulmano sepolto è in mar, nos­tro del ciel è gloria! Das hätte man gegenwärtig auch benediktisch zugespitzt, sozusagen auf des Krumm­säbels Schneide, inszenieren können. Doch Christine Mielitz lässt den «muselmanischen Stolz» szenisch unkommentiert, nutzt vielmehr Unwetter und Sturm pantomimisch zur (nur bei Shakespeare geschilderten)...