Nicht nur Britten
Die größte Überraschung, die der Ausstellungsraum von Aldeburghs «Red House» derzeit zu bieten hat, dürfte ein kleiner vergilbter Zeitungsartikel sein. Er stammt vom Juni 1943 und berichtet von einer Aufführung des «Rigoletto» an Londons Sadler’s Wells Opera mit einem jungen Sänger namens Peter Pears in der Rolle des Herzogs von Mantua. Der damals 33-Jährige sollte sich schon kurz darauf von diesem Repertoire so vollständig verabschieden, dass diese Anfänge völlig in Vergessenheit gerieten. Der 1910 geborene Pears ist wohl der Einzige unter den großen Tenören des 20.
Jahrhunderts, in dessen Laufbahn das «normale» Opernrepertoire von Mozart bis Puccini keine Rolle gespielt hat. Stattdessen sang Pears Schütz und Bach, Schubert und Schumann, zeitgenössische Kompositionen, die er – wie beispielsweise Lutoslawskis «Paroles tissées» – oft selbst in Auftrag gab, und natürlich vor allem die für seine Stimme maßgeschneiderte Musik seines Lebensgefährten Benjamin Britten. Obwohl die Britten-Pears-Foundation in ihrer Ausstellung versucht, den Fokus ganz auf Pears und seine umfangreichen Aktivitäten als Sänger, Lehrer, Übersetzer und Kunstsammler zu richten, weist fast jedes Ausstellungsstück ...
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An der Wiener Staatsoper gibt es eine Reihe von Produktionen, die aus eigener Kraft nicht mehr vom Spielplan herunterkommen. Doch sie wurden behalten, weil die Direktion stets argumentierte, dass zum Beispiel «Butterfly» (Premiere 1957), «Tosca» (1958), «Bohème» (1963), der «Liebestrank» (1980) «nicht notwendigerweise ständig eine neue Ästhetik» brauchten.
Der...
Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen...
Nur zwei Zitate im Programmheft braucht es, um Susanne Øglænds «Eugen Onegin»-Inszenierung in Weimar zu verstehen: Das erste ist das Wort Oscar Wildes, nach dem «das Leben die Kunst weit mehr nachahmt als die Kunst das Leben». Ergänzend dazu Woody Allens «Das Leben imitiert nicht die Kunst, sondern schlechtes Fernsehen». Womit nicht gesagt sein soll, dass sich die...
