Naturstimmen

Lübeck | Wagner: Siegfried

Opernwelt - Logo

Dass «Siegfried» ein – wie Wagner selbst schreibt – «heiteres Werk» sei: Anthony Pilavachis Lübecker Inszenierung unterstrich diesen Gedanken mit Nachdruck. Und Günther Rennerts Ausspruch: «Der arme Siegfried begegnet lauter alten Säcken» legitimiert den Regisseur zusätzlich, wenn er die Oper in «Dr. Mimes Altersheim» spielen lässt und daraus auch komödiantisches Kapital gewinnt.

Unter diesen Voraussetzungen besitzt der dritte Lübecker «Ring»-Abend einigen Unterhaltungswert: wenn etwa im ersten Akt der skurrile Heimleiter Mime mit allerhand pyromanischen Zauberkunststückchen in seiner Alchemistenküche experimentiert oder bei Siegfrieds Rückkehr aus dem Wald von einem possierlichen Bären beschnüffelt wird; wenn im zweiten Fafner sich als monströser, buddha-ähnlicher Berg aus Fett und Falten entpuppt (Kostüme: Angelika Rieck), der sich ebenso komisch wie bedrohlich in einer Ecke seines Zimmers aufgebaut hat, begleitet von den Kontrastfiguren eines elegant-geschmeidigen, lebenden Python und einem als goldener Drachen aufgeputzten Minihündchen; oder wenn der Waldvogel sich als attraktive, kürzestberockte Altenpflegerin präsentiert.
Aber auch tiefgründigere Gedanken lassen sich, so zeigt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2009
Rubrik: panorama, Seite 53
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Macht und Ohnmacht der Bilder

Was die Ruhrtriennale von vielen anderen Festspielen unterscheidet, sind nicht zuletzt die Räume. Wer 2006 Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» sah, wird das Zusammenspiel von Zimmermanns multiperspektivischem Kugel­theater mit der monumentalen Stahlkonstruktion der Bochumer Jahrhunderthalle ebenso wenig vergessen wie die magische Aura, mit der die leergefegte...

Das Orchester spricht

Über den Ansatz, der ihn bei seinem «Wozzeck» leitete, gab Alban Berg in einem 1928 erschienenen Aufsatz präzise Auskunft: «Die Musik so zu gestalten, (…) dass sie alles, was dieses Drama zur Umsetzung in die Wirklichkeit der Bretter bedarf, aus sich allein herausholt, damit schon vom Komponisten alle wesentlichen Aufgaben eines Regisseurs fordernd.» Damit ist...

Astronomia trivialis

Was geschieht mit uns? Bewegen wir uns, werden wir bewegt? Kepler (Martin Achrainer) blickt inbrünstig gen Himmel, um den Gesetzen des Alls auf die Spur zu kommen, während auf der Bühne vorzugsweise die Drehscheibe rotiert. Man schreitet kaum, doch fühlt man sich schon weit. Assoziationen zu den Bewegungen der Planeten sind erlaubt in der szenischen Umsetzung von...