Nahezu vollendet
Das Urteil des Komponistenkollegen konnte niederschmetternder kaum sein: «Es gibt drei Kategorien von Musik: gute, schlechte – und die Musik von Ambroise Thomas.» Seit dieser geharnischten Attacke Emmanuel Chabriers gilt Thomas vielen Voreingenommenen als Inbegriff eines erstarrten Akademismus. Wie klischeehaft die Einschätzung ist, beweist der enorme Erfolg der Neuproduktion seines «Hamlet» an der Pariser Opéra Comique.
Zwar hat die Partitur stilistisch etwas von einem eklektizistischen Patchwork, doch zugleich beweist sie Thomas’ sicheres Gespür für theatrale Affekte und aufrichtige Emotionalität, nicht zuletzt seine stupende Orchestrierungskunst. In erster Linie besticht dabei die glänzende Beherrschung der Gesangspartien, weshalb seine Werke zwingend eine erstrangige Besetzung verlangen – eine Anforderung, der die Opéra Comique voll und ganz gerecht wurde.
Es war bereits das dritte Mal, dass der Verfasser dieser Zeilen Stéphane Degout in der Titelrolle erlebt hat – nach 2011 (Straßburg) und 2013 (Brüssel). Während der vergangenen 20 Jahre hat sich die Stimme kontinuierlich entwickelt. Der mustergültigen Arbeit an Technik und Ausdruck verdankt sich ein runder, volltönender, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Christian Merlin
Der Mond leuchtet über Illyrien. Zwar nur mattglänzend, aber doch hell genug, um eine Prise surrealer Schönheit auf die Szene zu streuen. Was auch dringend geboten erscheint: Ehedem ein Eiland der Glückseligen, Zauberer und Fantasten, ist der magische Ort arg heruntergekommen: keine Palmen, keine rauschenden Wellen, keine sanften Dünen, nichts davon. Dafür ein...
Der Abend beginnt mit einem Schrei, der irgendwo aus den Höhen der Philharmonie kommt, gefolgt von einem «Halleluja»! Und auch sonst ist alles anders bei dieser «Messiah»-Aufführung: Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt, zum ersten Mal in seiner 62-jährigen Geschichte, auf Darmsaiten und mit Barockbögen. Außerdem sitzen die Musiker ganz hinten auf der Bühne,...
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
