«Nacht der Seele»

Es war still geworden um Hans-Jürgen von Bose. Nun hat ein Münchner Off-Ensemble die neue Version seines Kafka-Stücks uraufgeführt

Opernwelt - Logo

Ausgerechnet die Uckermark, das denkt er sich heute belustigt. Ein Exil, durch das Hans-Jürgen von Bose auf Jahre hin zur Randexistenz verdammt war. Die Kontakte schliefen ein, die Komposi­tionsaufträge versickerten. Gut, da war die Pension der Münchner Musikhochschule für ihren Ex-Professor. Aber kann das einen Hochkreativen befriedigen? Hans-Jürgen von Bose raffte sich irgendwann auf – und kehrte zurück in die Stadt, die mit so unguten Erinnerungen verbunden ist. «Ich sagte mir erst: nie wieder München! Und dann wollte ich einfach dort erneut Fuß fassen, wo ich aufgehört habe.

»

Recht unrühmlich vollzog sich damals der Abschied von der Institution, an der Hans-Jürgen von Bose zwischen 1992 und 2007 Komposition lehrte. Höhepunkt dieser Zeit war 1996 die Uraufführung von «Schlachthof 5», einem Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper. Doch dann wurde eine tückische Erkrankung an der Hypophyse festgestellt. Von Bose war nicht mehr stressresistent, galt als depressiv, musste starke Medikamente nehmen – und wurde in Frühpension geschickt. Der in München Ausgemusterte floh daraufhin nach Norden.

Heute redet der 57-Jährige sehr offen über die «tiefe Nacht der Seele», wie er die gerade ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Im Focus Dezember 2011

Das «Opernhaus des Jahres» hat sich zum Saisonstart etwas einfallen lassen: George Enescus
«Œdipe» ist ein aufwändiges Stück, das seine Zuschauer und Zuhörer keinesfalls sofort umarmt. Entsprechend selten sind die Aufführungen. La Monnaie in Brüssel wagt eine Neuproduktion. Seltene Koinzidenz in Baden-Württemberg: In Karlsruhe und Stuttgart sind mit dieser Spielzeit...

Ohne Tiefpunkte keine Höhepunkte

Liebe Gloria Davy, Mitte der 50er-Jahre gastierten Sie in Europa mit «Porgy and Bess». Ich habe 1955 eine der Vorstellungen im Hallenstadion von Zürich erleben können. Wie kam es zu dieser Produktion?
1955 nahte schon das Ende meiner Zeit mit «Porgy and Bess». Im Jahr zuvor hatte ich mich einem Ensemble in Cleveland (Ohio) angeschlossen. Damals ersetzte ich Leontyne...

Unbehaust, heimatlos

Wer sich so nach dem Tod sehnt wie Tristan kann in dieser Welt immer nur ein Unbehauster, Heimatloser bleiben. Gefangen in einer Zwischenwelt, einem Umzug, der nicht enden will. Als solchen Umzug inszeniert Regisseurin Yona Kim, 2011 für den Deutschen Theaterpreis «Der Faust» nominiert, Wagners Oper in Braunschweig: Plastikplanen hängen von der Decke, überall...