Nachhaltig

Magdeburg: Telemann Festtage: Germanicus/Orpheus

Opernwelt - Logo

Leipzig hält seinen Bach hoch, Halle seinen Händel – alles bekannt. Doch keine mitteldeutsche Stadt hat wohl so viel Grund, sich an einem barocken Komponisten aufzurichten, wie Magdeburg an Georg Philipp Telemann. Denn woher soll das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit, soll eine Identität kommen in dieser von Krieg und DDR-Kahlschlagplanung ruinierten Stadt, in der nur der Dom und einige Kirchen traurig aus dem Einerlei von Scheibenhäusern aufragen? Die Rückbesinnung auf Telemann ist allerdings kein Produkt der Nachwendezeit.

Schon 1962 veranstaltete Magdeburg erstmals die Festtage, die seither alle zwei Jahre stattfinden und nachhaltig das vom 19. Jahrhundert überlieferte Telemann-Klischee einer bloß Massenware produzierenden barocken Tonmaschine relativiert haben.

Regelmäßig werden während der Festtage Opern aufgeführt, von denen Telemann rund 50 geschrieben haben soll (bei Weitem nicht alle sind erhalten). Die manchmal prekäre Quellenlage verdeutlicht ein Werk wie «Germanicus». Der Musikwissenschaftler Michael Maul hat es aus rund 40 in der Frankfurter Universitätsbibliothek anonym überlieferten Arien rekonstruiert. Die Rezitative sind verloren, in der konzertanten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das erste Mal

Riccardo Muti, Herzog & Meuron, Prada... – was den Snob-Appeal betrifft, dürfte das für die Met-Erstaufführung von Verdis «Attila» zusammengekaufte Aufgebot schwerlich zu übertreffen sein. Die Befürchtung, die kapitale Promi-Riege habe sich an einem musikalischen Objekt abgearbeitet, das nicht weiter der Rede wert ist, löste sich jedoch schon während der ersten...

Aufguss, Abguss

Günter Krämer und Gerd Albrecht brachten in den neunziger Jahren einen «Ring» in Hamburg heraus. Andreas Reinhardt, langjähriger Kombattant, hatte damals die kühlen (und mit Elementen der Industriekultur prunkenden) Bilder entworfen: großzügig, modern, solide.

Nun ergriff Krämer die Chance zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit einem der Hauptwerke des 19....

Rendezvous der großen Stimmen

«Bühnenregie hieß der Schlüssel zu dem Geheimnis, durch das sich meine Intendanz der Metropolitan von den Intendanzen früherer Jahre unterscheiden sollte», schreibt Rudolf Bing in seinen Memoiren. Drei Wochen Proben für die Eröffnungspremiere «Don Carlos» im Herbst 1950, das muss für New Yorker Verhältnisse eine Sensation gewesen sein. Der für die Rolle des Posa...