Nacherzählung
Bloß kein Meer! Wenige Tage vorher zeigte David Hermann in Karlsruhe «Simon Boccanegra» als Stück aus Innenräumen. Bilder des ligurischen Meeres, von dem Text und Musik erzählen, waren verpönt. Verdis «tinta musicale», die das einfängt, was man später «Naturlaut» nannte, prallte auf eine eng bebaute Drehbühne, die sich gänzlich verschließen konnte und kaum Blicke nach draußen freigab (eine Koproduktion mit der Opera Vlaanderen, siehe OW 4/2017). Nun, in Darmstadt, zeigt Dirk Schmeding das Meer als Protagonisten.
Schon bevor der Prolog zu «Simon Boccanegra» einsetzt, kümmern sich Videoprojektionen auf dem Gazevorhang um düster drohende Gischt (Johannes Kulz). Später schaut Amelia in die graue Weite und wendet uns den Rücken zu, als gelte es Caspar David Friedrichs «Mönch am Meer» nachzustellen. Am Schluss, wenn Simon Boccanegra einen langsamen Gifttod stirbt und sich endlich mit seinem adeligen Widersacher versöhnen kann, nehmen Projektionen die ganze Bühne ein. Ebbe und Flut, Sturm und Stille, der kleine Mensch in der Unendlichkeit des Weltenlaufs: Die Metaphern sind klar in Darmstadt. Dirk Schmeding zielt auf eine Parabel und eicht das Stück auf seine Kontinuitäten. David Hermann ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Stephan Mösch
Die Vorgeschichte dieses Abends liegt neun Jahre zurück. Im Mai 2009 hatte am Aalto-Theater in Essen Richard Wagners «Walküre» Premiere – Dietrich W. Hilsdorfs zweite Wagner-Regie. Teil eines von vier Regisseuren übernommenen «Ring des Nibelungen». Das schmeckte natürlich nach einem Wiederaufguss des «Stuttgarter Modells» von 2002/03, der in Essen (mit Ausnahme von...
Schwarzes Dunkel. Tödliche Stille, nur durchbrochen von katarrhalischem Ventilatorenatem. Und dann, wie aus dem Nichts, dieses knappe, punktierte Motiv, die Solobratsche spielt es. So leise, dass man es kaum vernimmt. Und so bruchstückhaft, dass es zur Melodie sich partout nicht fügen will. Wie eine Floskel, die nach mehr sucht, es aber nicht findet, klingt diese...
Es ist nur ein Bild: ein Cover. Aber man würde sich Sorgen machen, wüsste man nicht, dass Bilder verführen sollen. Dieses Bild, es schmückt die neue Aufnahme von Sonya Yoncheva mit Arien aus acht Verdi-Opern, ist mehr als Verführung. Es ist ein Zeichen. Weißwangig-ausgehöhlt, beinahe schwindsüchtig blickt uns die bulgarische Sopranistin an, wie eine Schwester...
