Musizierendes Theater
Der Höhepunkt kam zum Schluss. So transparent, wie die Staatskapelle Halle unter Karl-Heinz Steffens die Variationen aus Alban Bergs «Lulu-Suite» musizierte, fiel einem unwillkürlich Anton Weberns Diktum ein, in 50 Jahren würde jeder Postbote die Musik der Schönberg-Schule pfeifen. Zumindest konnte jeder musikalische Hörer die Metamorphosen des Wedekind’schen Lautenliedes «Konfession» durch alle Stimmen und Klangfarben verfolgen, bevor Steffens das Adagio mit Mahler’schem Weltschmerz auflud.
Die Oper Halle hatte sich in der hiesigen Erstaufführung der «Lulu» klugerweise auf die zweiaktige Fragmentfassung beschränkt. Die ist durchaus abendfüllend und hat den Vorteil, weder Interpreten noch Publikum über Gebühr zu ermüden. So folgt man gespannt bis zum Ende, das eben nicht in Lulus Tod bestehen muss. Die kleine, 60-köpfige Besetzung im tiefer als sonst herabgefahrenen Orchestergraben erlaubte den überwiegend deutschsprachigen Solisten einen entspannten Parlando-Ton von ungewöhnlicher Textverständlichkeit. Die differenzierte Sprachbehandlung Bergs vom gesprochenen Dialog über das Sprechen in notierter Tonhöhe bis zu den verschiedenen Schattierungen des Gesangs trat deutlich hervor. ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Boris Kehrmann
Als der irakische Vizepräsident Mullah Bakhtiyar am 26. November letzten Jahres auf der Premierenfeier die nagelneue Kölner «Entführung» in den Irak einlud, rechnete wohl niemand ernsthaft damit, dass die Oper drei Monate später tatsächlich mit einer hundertköpfigen Truppe in die Krisenregion aufbrechen würde. Niemand ahnte damals auch, wie dramatisch sich die...
«Gar viel und schön ward hier in dieser Halle von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen.» Den Begrüßungsworten des Landgrafen aus dem zweiten Akt von «Tannhäuser» möchte man hinsichtlich Bayreuths ein Fragezeichen hinzufügen: Viel ja, schön öfter – doch auch am besten? Dass sich auf dem Grünen Hügel die jeweils herausragenden Wagner-Sänger einer Generation...
Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an...
