Musik als Drama
Große Namen müssen noch nicht zum Erfolg führen. Das sieht man bei zusammengekauften Fußballmannschaften genauso wie bei prominent besetzten Opernensembles. Es kann aber auch sein, dass sich Qualität im Ensemble potenziert, dass sich Stimmen dem Gesamtklang fügen, ohne dabei an Individualität zu verlieren. Der konzertant gegebene «Don Giovanni», mit dem das Festspielhaus Baden-Baden seine Sommerspiele eröffnete, ist solch ein Glücksfall. Und kann auch schon bald auf CD nachgehört werden. Überragendes Können trifft auf Musikalität, Leichtigkeit auf tiefen Ernst.
Das ist zunächst das Verdienst des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin, der schon bei der vom Mahler Chamber Orchestra vital, aber nicht überhitzt gespielten Ouvertüre zeigt, dass er kein Mann oberflächlicher Effekte ist. Die dynamischen Kontraste krachen nicht aufeinander, sondern werden vermittelt. Die Streicher zu Beginn spielen senza vibrato, ohne dabei scharf zu klingen. Der Kanadier antizipiert alle musikalischen Abläufe. Er modelliert das Detail, lässt die Musik vom Orchester so genau artikulieren, dass sie zur verständlichen Sprache wird – mit Frage- und Ausrufezeichen, mit selbstbewussten Bestätigungen und plötzlicher ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Georg Rudiger
Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?
Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit,...
Nicht einmal Verehrer wussten davon, als Julia Varady sich von der Bühne zurückzog – mit einer völlig intakten Stimme. Ende 2003 war das. Im Jahr zuvor hatte sie «Edgar» aufgenommen und konnte als Fidelia klingen wie das junge Mädchen, das sich Puccini vorgestellt hat (siehe OW 9-10/2003). Vierzig Jahre öffentlichen Singens lagen da hinter ihr. Man hört es nicht....
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des...
