Musik als Drama

Baden-Baden | Sommerfestspiele | Mozart: Don Giovanni

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Große Namen müssen noch nicht zum Erfolg führen. Das sieht man bei zusammengekauften Fußballmannschaften genauso wie bei prominent besetzten Opernensembles. Es kann aber auch sein, dass sich Qualität im Ensemble potenziert, dass sich Stimmen dem Gesamtklang fügen, ohne dabei an Individualität zu verlieren. Der konzertant gegebene «Don Giovanni», mit dem das Festspielhaus Baden-Baden seine Sommerspiele eröffnete, ist solch ein Glücksfall. Und kann auch schon bald auf CD nachgehört werden. Überragendes Können trifft auf Musikalität, Leichtigkeit auf tiefen Ernst.

Das ist zunächst das Verdienst des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin, der schon bei der vom Mahler Chamber Orchestra vital, aber nicht überhitzt gespielten Ouvertüre zeigt, dass er kein Mann oberflächlicher Effekte ist. Die dynamischen Kontraste krachen nicht aufeinander, sondern werden vermittelt. Die Streicher zu Beginn spielen senza vibrato, ohne dabei scharf zu klingen. Der Kanadier antizipiert alle musikalischen Abläufe. Er modelliert das Detail, lässt die Musik vom Orchester so genau artikulieren, dass sie zur verständlichen Sprache wird – mit Frage- und Ausrufezeichen, mit selbstbewussten Bestätigungen und plötzlicher ...

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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Georg Rudiger

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