Monteux' Ruhe und Toscaninis Furor
Die 1956 von der Firma RCA in Rom produzierte Aufnahme von «La traviata» hat auf dem deutschen Markt von Anfang an nur eine marginale Rolle gespielt, verschwand dann im Stereo-Zeitalter gänzlich aus dem Katalog und wird erst jetzt, fünfzig Jahre später, auf CD neu aufgelegt. Ein merkwürdiger Fall, denn es handelt sich um die beste Studio-Einspielung des Werkes aus der Mono-Ära. Sie ist in sängerischer wie orchestraler Hinsicht den etwa gleichzeitig produzierten Aufnahmen mit Maria Callas (Cetra), Renata Tebaldi (Decca) und Antonietta Stella (EMI) deutlich überlegen.
Pierre Monteux, einer der ganz großen Maestri des vergangenen Jahrhunderts, ist mit seiner gewaltigen symphonischen Hinterlassenschaft längst im CD-Zeitalter angekommen. Als Operndirigent galt er als ein Spezialist für das französische Repertoire. Seine «Manon» mit Victoria de los Angeles wird zu Recht als Referenzaufnahme genannt. Aber Verdi? Ich meine, gerade «La traviata» steht ein leichter französischer Touch ganz gut an, zumal Monteux italienisches Brio nicht schuldig bleibt. Er entwickelt das Drama in einem großen Bogen und mit ruhiger Distanz. Da ist kein Raum für melodramatische Trivialitäten.
Und Rosanna ...
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