Mitten im Nirgendwo
Oper aus dem Internet? Nicht lange her, dass der anspruchsvolle Fan entsetzt die Nase rümpfte. Wackelnde Bilder plus mieser Klang – das wollte sich kaum ein Homo classicus antun. Doch Online-Programme in High-Defintion-Qualität gewinnen stetig an Bedeutung. Nicht nur private Anbieter setzen aufs Netz, um Mitschnitte aktueller und historischer Aufführungen zu verbreiten. Auch öffentlich-rechtliche Sender haben das Streaming für sich entdeckt.
Doch wie wirkt sich der digitale Musiktheater-Service eigentlich aus? Taugt er den Häusern als Lockmittel für neues Publikum, oder ist er bloß Ersatzstoff, der die Lust aufs Live-Erlebnis lähmt? Und: Wo steht das Streaming zwischen kulturellem Auftrag und Rentabilität?
Was hätte Richard Wagner wohl davon gehalten? Hätte er seine Bedeutung gebührend unterstrichen gesehen? Oder wäre er in Cosimas Tagebüchern darüber hergezogen, dass dies die Exklusivität seines nur fürs Bayreuther Festspielhaus gedachten «Parsifal» noch weiter schmälere? Wie auch immer: Am 25. Juli dieses Jahres konnte man die Eröffnung der Bayreuther Festspiele nicht nur erstmals live im Kino verfolgen. Auch am heimischen Computer konnte sich jeder selbst ein Bild davon ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Oper online, Seite 98
von Michael Stallknecht
Konzerthaus Dortmund. Teodor Currentzis probt Purcells «Indian Queen». Im September tourt er damit durch Europa. 20 Minuten lang arbeitet er mit dem Countertenor Ray Chenez an einer einzigen Phrase. Singt vor, erklärt Bögen und Betonungen, dünnt das Continuo aus, wiederholt. Für solch zeitraubende Detailarbeit ist der Probenfanatiker berühmt und berüchtigt. Das...
Da ist es wieder, das große «Bla Bla». Gab es 26 Jahre lang nicht mehr live zu hören. Wer wollte, behalf sich in dieser Zeit mit dem Mitschnitt der Mannheimer Uraufführung 1987. Oder, ganz anders, aber ähnlich krass, mit dem Hörspiel, das die Einstürzenden Neubauten drei Jahre später aufnahmen. Zu dieser Zeit, Ende 1990, war Wolfgang Rihms Oper schon von den...
So votierten unsere Leser
Aufführung des Jahres: Verdis «Macbeth» in Zürich (Teodor Currentzis/Barrie Kosky)
Regisseur des Jahres: Barrie Kosky
Bühnenbildnerin des Jahres: Rebecca Ringst
Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko
Sänger des Jahres: Jonas Kaufmann, Anja Harteros
Opernhaus des Jahres: Bayerische Staatsoper München
Ärgernis des Jahres: Die Sanierungsfälle...
