Mitherrschen, mitfühlen, mitleiden
Einer der letzten heißen Sommertage in Salzburg. Wir haben uns mit René Pape zum Gespräch auf der Terrasse des Festspiel-Pressezentrums verabredet. Der Blick über die Stadt, auf die Feste Hohensalzberg, den Dom und die anderen Kirchen ist immer wieder überwältigend: Architektur, die von einstiger Macht und Herrlichkeit kündet, die Mozart allerdings auch mit ihren Kehrseiten erfahren hat. Vielleicht ist etwas davon in den Sarastro eingeflossen, hinter dessen Edelmenschentum sich auch der harte Herrscher verbirgt, der gescheiterten Prüflingen mit dem Tod droht.
Avancierte Regisseure, die gern hinter Text und Noten schauen, haben diese zweite Seite des Oberweisen oft recht drastisch sichtbar werden lassen, wie etwa Ruth Berghaus.
René Pape, der während des zurückliegenden Festspielsommers den Sarastro in der «Zauberflöte» gesungen hat, benötigt nicht unbedingt Regisseure, die ihm die entsprechenden körperlichen Verrenkungen und mimisch-gestischen Übersteigerungen einimpften. Papes Darstellungsinstrument ist in erster Linie die Stimme: Sie besitzt die Kraft, die gebändigte sonore Fülle, die Geschmeidigkeit, um den richtigen Herrscherton zu treffen. Mit diesem Sarastro gibt es keine ...
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Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: Sängerin und Sänger des Jahres, Seite 8
von Gerhard Rohde
Der Dialog findet sich bei Peter Handke, in dem Drama «Die Unvernünftigen sterben aus», 1973 geschrieben, unverständlicherweise nicht gerade häufig gespielt. Wunderbare Sprache, als Metapher über den Zustand der bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft nahezu unübertroffen. Ein Gespräch zwischen dem zynischen Unternehmer Hermann Quitt und seiner Freundin Paula...
Kunst komme nicht von Können, sondern von Müssen, meinte Arnold Schönberg. Die diesjährigen Ergebnisse unserer Kritiker-Umfrage zeigen noch etwas anderes: Kunst kommt von Kontinuität. Zumindest in der Oper. Dort kann Kontinuität viele Bereiche betreffen. Der schwerfällige Apparat eines Opernhauses braucht Zeit, sich auf bestimmte Leitlinien einzustellen, seien sie...
Titus kehrt zurück. Keine Oper hatte in Mozarts Jubeljahr 2006 einen so rauschhaften Wiederauftritt wie seine letzte: «La clemenza di Tito». An der bislang überschaubaren Diskografie lag’s wohl auch. Seit früheren Aufnahmen wie denen von István Kertész und Colin Davis (und trotz der späteren von Harnoncourt und Gardiner) schien es, als sei das Werk von der...
