Mit Lady Di in den Hades
Euripides’ und Glucks «Alceste» gegen den Strich gebürstet: Nicht die bekannte Geschichte einer den Tod überwindenden Liebe kommt auf die Bühne des Teatro Real; vielmehr erzählt der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski von der Flucht aus einer schwierigen Ehe in den Tod. Seine Alceste lebt die letzten Jahre der Lady Diana, Princess of Wales, nach. So wird denn, bevor Ivor Bolton, der künftige Madrider Musikdirektor, den Taktstock zur Ouvertüre hebt, auf einer riesigen Leinwand ein nachgestelltes Fernsehinterview mit ihr eingespielt.
Darin legt sie dar, warum sie keinen anderen Ausweg als die Scheidung von ihrem Gemahl sieht. Aber da spricht nicht Lady Di, sondern die deutsche Sopranistin Angela Denoke.
Als Alceste besucht sie ein Krankenhaus, nimmt an einem Bankett teil; die Szenerie ist von Malgorzata Szczesniak, der langjährigen Weggefährtin des Regisseurs, in kühlem Weiß, Grau, Silber, mit klaren Linien eingerichtet. Dem kranken König Admète (Paul Groves) wird eröffnet, dass er bald sterben müsse – es sei denn, ein anderer Mensch gehe für ihn in den Tod. Er fragt seine Eltern, diese wenden sich ab. Alceste aber erklärt, sie liebe ihn so sehr, dass sie auch für ihn zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Thomas Urban
Steckt in uns allen nicht etwas von Mephisto? Am Schluss der Aufführung nimmt jedenfalls Samuel Youn jenen Platz ein, den zu Anfang Klaus Florian Vogt besessen hat: an einem kleinen Tischchen, das ziemlich verloren auf der Bühnenschräge steht, und wieder sind auf demselben Rund zwei Tänzer aktiv, gleichsam ein dualististisches Prinzip imaginierend – als handele es...
Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte. Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven...
Die Bühne ist rund zwanzig Meter breit und sechs Meter tief. Das Publikum sitzt längsseits in zwei Reihen, direkt gegenüber einer kleinen Bar. Im Raum dazwischen ein paar Wirtshaustische, links außen auf der kargen Szene sitzen die elf Musiker des kleinen Orchesters mit Matrosenmützen. Wir befinden uns im früheren Schießstand der Stadtpolizei im Untergeschoss des...
