Misstöne in Arkadien
So schlimm, wie das Gemälde auf dem Cover nahe legt, kommt es in Domenico Cimarosas im Revolutionsjahr 1789 für den Petersburger Hof komponierter «Cleopatra» nicht. Die Königin hat hier noch keine Veranlassung, sich die Natter an die Brust zu legen, denn vorläufig geht ja alles nach ihren Wünschen.
Ferdinando Morettis Libretto hat mit Shakespeares Tragödie nicht viel im Sinn – da wird zwei Akte lang geseufzt, gestritten und geturtelt, ohne dass die Handlung dabei vorwärtskommt.
Antonius, der sich gegen die anrückenden Truppen seines Konkurrenten Octavianus wappnen muss, ist in Liebesbanden gefangen und kann vor der Alternative «Braut oder Weltreich» zu keiner eindeutigen Entscheidung gelangen. Cleopatra, von allen als zweite Venus bewundert, sieht die Sache einfacher: Entweder er bleibt bei ihr oder sie bringt sich um. Am Ende schafft die Liebe einen Kompromiss: Sie ziehen gemeinsam in die Schlacht wie in eine Sommerfrische. Als ihr Schiff ausläuft, besingt der Chor den heiteren Himmel und das ruhige Meer, das von Zephiren sacht bewegt wird.
Eine Oper kann man dieses höfische Divertimento nicht nennen, das die irreführende Gattungsbezeichnung «Azione teatrale» trägt. Dass beide ...
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Gegen die Unbefangenheit, mit der die Barockoper antike Dramenstoffe für ihre Zwecke verwurstete, sind die Bearbeitungen des modernen Regietheaters geradezu harmlos: Weder Georg Friedrich Händel noch die italienischen Librettisten, die im 17. Jahrhundert das Textbuch des «Admeto» geschrieben hatten, fanden offenbar irgendetwas dabei, das Euripides-Drama um die...
Der Pariser Opernintendant Gerard Mortier, zu Beginn seiner Amtszeit wegen seines Reprisenspielplans gern gescholten (er wollte den Parisern eben gern einmal zeigen, was er so in Salzburg, Brüssel oder im Ruhrpott auf die Bühne gebracht hat), gewinnt für seine beiden Häuser, die Bastille-Oper und die alte Grand Opéra im Palais Garnier, zunehmend eigene Profile....
Dass sich mit lizenzfreien historischen Aufnahmen ein schneller Euro machen lässt, hat sich unterdessen herumgesprochen, und die Billig-Labels sprießen wie Pilze aus dem Boden. Da werden die Archive der Rundfunkanstalten geplündert, dass man nur staunen kann. Meist wird dabei gedankenlos abkopiert, für klangtechnische Verbesserungen ist ebenso wenig Geld da wie für...
