Miss Marple trifft Dickwanst

Essen,Verdi: Falstaff

Opernwelt - Logo

Es ist alles Floskel auf Erden! «Falstaff» als Spiegel des frühen 21. Jahrhunderts? Wenn der Dickwanst die «Ehre» besingt, entlarvt das Orchester sein Gerede als Geschwätz. Der hehre Begriff wird durch banales Bläsergefasel und harmonisch zweifelhafte Flötenfigurationen verflüchtigt, die Violinen laufen ins Leere. Nichts ist es mit der Ehre. Alles ist Schein auf Erden.
Ist es auch Schein, wie Dietrich Hilsdorf in Essen Verdis Spätwerk inszeniert? Fast scheint es so. Zumindest hat es den Anschein, als sei der einstige Aufmischer maßvoller geworden.

Gemessen an seinen früheren Verdis ist dieser «Falstaff» milde wie Holländer Käse. Und doch besitzt er Würze. Denn Hilsdorf konzentriert sich aufs Erzählen, nicht auf die Provokation. Er schildert plastisch und realitätsnah. Wenn Falstaff, den der Regisseur Ionesco-nah mit einem Nashorn vergleicht, den dritten Akt eröffnet, knuddelt er sich zunächst einmal in dicke Decken – verständlich, wurde er doch zuvor, am Ende des zweiten Aktes, aus dem Fenster und ins kalte Wasser geschmissen.
Die von Johannes Leiacker entworfene Bühne ist mehr als eine nur hilfreiche Plattform. Im linken Drittel blicken wir in einen Schmuddel-Pub, liebevoll ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 41
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Erfüllte Augenblicke

Als Maria Callas und Sir John Barbirolli im Juni 1953 an der Londoner Covent Garden Opera gemeinsam eine Serie von «Aida»-Vorstellungen absolvierten, wurden beide von der Kritik ziemlich einhellig verrissen. Man warf dem Dirigenten zahlreiche Wa­ckelkontakte zwischen Bühne und Graben vor, der Gesang der Diva wurde als «Pein für empfindliche Ohren» abgekanzelt. Was...

Montemezzi: L´amore dei tre re

Einen Monat nach Italo Montemezzis erfolgreicher Uraufführung von «L’amore dei tre re» an der Mailänder Scala 1913, die jetzt als Koproduktion mit dem Theater Erfurt in Turin herauskam, sorgte Strawinskys «Sacre du Printemps» in Paris für einen Skandal. Hier wie dort gibt es ein tragisches Frauenopfer – blutrüns­tiges Modethema vor dem Ersten Weltkrieg. Montemezzi...

Fader Fang

Um es gleich zu sagen: In die diskografische Bestenliste werden diese «Pêcheurs de Perles» es kaum schaffen. Allenfalls einen Mittelplatz können wir ihnen zumessen. Wer nach Lichtblicken sucht, wird sich an Annick Massis halten müssen, die in diesem Mitschnitt vom April 2004 aus dem Teatro La Fenice die Rolle der Léïla verkörperte – zum wiederholten Male, denn...