Menschheitstheater
Der Weg zu den Strahlen der Sonne führt über eine kleine Brücke. Ein Bächlein, forellenfrei vermutlich, fließt leise murmelnd darunter hinweg. Abendstimmung. In der Ferne erhebt sich die Silhouette eines gigantischen Rundbaus, der anmutet wie ein auf die Erde gestürzter, noch schnell geschliffener Meteorit, bewacht nur von winzigen Wolkenballen und einem strahlenden Mondgesicht. Mächtig liegt das steinerne Gebilde in der grünen Landschaft, umgeben von Büdchen, kleinen Ständen, Lokalen.
Je näher man dem Gashouder im Nordwesten Amsterdams kommt, umso deutlicher erschließen sich die Dimensionen. Und zumindest an diesem kalten Winterabend fliegt den Flaneur ein warmer Duft an, der Duft von Kaffee: Das «Amsterdam Coffee Festival» ist zu Gast auf dem Gelände der Westergasfabriek.
Das Areal mit seinen schmucken Klinkerbauten, dessen Zentrum der Gasometer bildet, zählt zu den spannendsten Locations der niederländischen Kapitale; ein wenig ähnelt es der Speicherstadt in Hamburg. Die ehemaligen Fabrikgebäude, im 19. Jahrhundert direkt an den Gleisen der ersten niederländischen Bahnstrecke errichtet, beherbergen heute Kneipen, Kinos, Theater- und Tanzsäle. Wo jetzt der Bär tobt, wird Ende ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Jürgen Otten
Keine Aneinanderreihung von «Duetten und cavatine usw. usw.» hatte Verdi mit «La forza del destino» im Sinn, sondern eine «Oper der Absichten». Wenn allerdings mit Anna Netrebko und Jonas Kaufmann die größten Stars der Szene antreten, können die Absichten schon mal untergehen. Aficionados sollen in London auf dem Schwarzmarkt mehrere tausend Pfund für eine Karte...
Jubilare
Giorgio Zancanaro studierte in seiner Geburtsstadt Verona bei Maria Palanda und wurde 1969 beim Wettbewerb «Voci Verdiane» in Busseto entdeckt. Sein Debüt gab der Bariton ein Jahr später als Riccardo in Bellinis «I puritani» in Mantua. Daraufhin rissen sich die großen Opernhäuser Italiens um ihn. Zancanaro gelang es, u. a. als Giorgio Germont in «La...
Schon die Antike wusste es: «Wen die Götter lieben, der stirbt jung.» Sprich, wer auf dem Höhepunkt seines Ruhms stirbt, hat bessere Chancen, selbst in den Kreis der Götter und Heroen aufgenommen zu werden. Das gilt unter massenmedialen Bedingungen auch für den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der nicht zuletzt aufgrund seiner Ermordung am 22. November...
