Melancholie und Körperdampf
Oft saß er im Wirtshaus und notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm, ließ seine Kompositionen davon überfließen, begegnete dabei der seltsam «hinkenden» Sprechweise dieses Landstrichs, ihrem unorthodoxen Sprachrhythmus unendlich liebevoll. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer schlampigen Flüchtigkeit den Wirtshausgesprächen ähnlich. Das war Leos Janácek.
«Es ist oft sehr schwer zu rekonstruieren, was er wirklich wollte», sagte uns in diesem Zusammenhang der renommierte Janácek-Dirigent Tomás Hanus. «Er hat auf einem weißen Blatt Papier die Linien gezogen und dann sozusagen die Noten hineingewühlt ...» Wobei die mährische Folklore bei seinen Kompositionen stets gegenwärtig war. «An das Spiel [...] noch lebender Fiedler, Zymbalspieler und Sackpfeifer knüpfen wir mit unseren Werken an ...», schrieb er. Janáceks Lieder sind vor allem Bearbeitungen jener mährischen Folklore; er las sie den Bauern sozusagen von den Lippen ab. «Nur aus dem lebendigen Volkslied entspringt die Kunstform des Liedes», notierte er. Stets suchte er in seinen Bearbeitungen die Natürlichkeit der Melodie zu wahren, ließ das ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Die elegante Kuppel, ein Zeichen für die Stadt. Beton, Stahl, Glas, das Mark des neuen Industriereviers. Der Vorplatz, eine Bühne für die Besucher. So hatten Heinrich Rosskotten und Edgar Tritthart, die Architekten der OPER DORTMUND, sich die Botschaft ihres Entwurfs gedacht. Den geistigen Aufbruch, die mentale Wende nach den Verheerungen des Krieges sollte er...
Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....
Eigentlich ist diese DVD nicht rezensierbar. Denn der für die Bildregie verantwortliche Tiziano Manchini und sein Team haben die Aufführung des Dresdner «Freischütz» nicht in den Griff bekommen. Genauer: Sie sind an ihrem Dunkel gescheitert. Von der Wolfsschlucht sieht man so gut wie gar nichts, auch die anderen Szenen versacken. Zudem war die Kameraaufstellung...
