Mehr Machwerk, bitte!
Die Oper befindet sich in Auflösung, seit über hundert Jahren, und sie erfindet sich dabei immer wieder neu. Letzteres ist beruhigend zu wissen. Wird aber bei der Moderation der Krisengespräche in den Feuilletons oft vergessen oder gar unterschlagen. Und auch das für die Nachwelt fraglos nützliche Kategorisieren, Sortieren und Hierarchisieren nach Künstleroper, Literaturoper, Zeitoper etc., wie die Musikwissenschaftler es betreiben, geht eher von einem Endzeitgedanken aus, als dass es den Blick in die Gegenwart oder gar Zukunft richtete. Anders die Komponisten.
Deren Verhältnis zu dem unmöglichen Kunstwerk Oper, diesem Unding oder Hybrid oder gattungstheoretisch definitionsresistenten Zwitter, war noch zu keiner Zeit von Krisenbewusstsein getrübt. Es war und ist ein pragmatisches. Komponisten komponieren. Und wenn sie damit fertig sind, früher oder später, dann taufen sie das Werk Handlung in Musik («Tristan», 1865) oder Melodramma («Tosca», 1900) oder Drama mit Musik («Glückliche Hand», 1910) oder Komödie mit Musik («Rosenkavalier», 1911) und so weiter; manche, beispielsweise Berg, Britten oder Reimann, sagten der Einfachheit halber wieder Oper (was ja wörtlich Werk bedeutet, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 28
von Eleonore Büning
Seine Leidenschaft ist die Oper. Das wird er nicht müde zu betonen. Eine heiße, gewissermaßen legale Geliebte – die ihren Anbeter allerdings schon mehrfach von sich gestoßen hat. Vor diesem Hintergrund ist Mariss Jansons der wohl ungewöhnlichste «Dirigent des Jahres». Nur selten taucht er nämlich im Graben auf. Und wenn er es tut, dann erlebt man Affären: intensiv,...
Der Tipp kam von einem Freund. Er solle sich doch mal auf YouTube diese junge Russin anschauen. Also ging Marc Minkowski online. Was er da sah und vor allem hörte, versetzte ihn sofort in Hochspannung. Gerade achtzehn war Julia Lezhneva, als Minkowski sie in den Filmchen der Video-Plattform entdeckte und vom Web weg engagierte – für eine Aufnahme von Bachs h-moll...
Eine so vielseitige Spielzeit hat selbst Gerard Mortier in Brüssel nur selten hinbekommen: Neben der Uraufführung von Hosokawas «Matsukaze» (szenisch betreut von Sasha Waltz) sorgte La Monnaie 2010/11 für die glanzvolle Rehabilitierung von Meyerbeers «Les Huguenots»; Andrea Breth setzte sich erstmals mit Janácek auseinander; Romeo Castellucci gestaltete den...
