Maskentanz
Ein «Mozart»-Orchester wünschte sich Mauricio Sotelo für Lorca. Kleiner Streicherkorpus (vier Violinen, drei Bratschen, drei Celli, Kontrabass), charakteristisches Holz (zwei Flöten, drei Klarinetten, Oboe und Fagott). Das Blech (zwei Hörner, zwei Posaunen, Trompete) ist um eine Tuba erweitert. Dazu zwei Harfen, Pianoforte (bzw. Celesta), Pauken. Das ist der «alte» Kern des «El Público»-Ensembles. Aber dann mischen auch noch ein Tenorsaxofon, ein Knopfakkordeon, zwei Schlagwerker mit.
Den Klang der Instrumente spiegelt, weitet, verhüllt, verfremdet Sotelo durch digital erzeugte Sounds, die ein Toningenieur live über 24 Surround-Lautsprecher einspeist. Ihr spezifisches Aroma, ihre unverwechselbare Aura freilich gewinnt die Musik aus einer anderen Quelle: den Rhythmen und Melodien des canto jondo, des andalusischen Flamenco-Gesangs.
Klassik und Moderne, Archaik und Avantgarde, Folklore und Elektronik verschmelzen in
einem schwebenden Resonanzraum, der so ungreifbar, so opak, so geheimnisvoll bleibt wie der dunkel strahlende Text, dem er sich verdankt. Es geht um vieles in «El público», dieser wilden, rohen, surrealen, nie abgeschlossenen Schauspielpartitur, die Lorca kurz vor seinem ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Lucia Ronchetti ist eine Grenzgängerin. Zwischen den Genres, zwischen den Künsten. Ob sie während der Münchner Opernfestspiele mit Sängern, Schauspielern, Musikern und Passanten über die Ludwigstraße zieht, ob sie bei einem Solostück murmelnde Männerstimmen aus dem Publikum hörbar werden lässt, ob in «Anatra al sale» die titelgebende Ente tatsächlich zubereitet und...
Italienische Schuhe sind für konzertante Opernaufführungen einfach nicht gemacht. Klick, klack, klick, klack. Vom Kontrollmitschnitt der «Aida» unter Antonio Pappano wird Warner für die CD-Veröffentlichung (geplant für Oktober) nicht viel verwenden können – aufgrund der geräuschvollen Auf- und Abtritte Anja Harteros’, Jonas Kaufmanns und der übrigen Solisten....
Mit «Ich komme, grünende Brüder» ist es nichts. Kein Mädchen, das sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Daphne, schuldig am Tod ihres Jugendgespielen Leukippos, bekommt Handschellen angelegt. «Abführen!»: So hätte der Befehl an den Uniformierten am Ende lauten können. Leer die Szene. Die Musik allein spricht das Schlusswort. Sie flutet den Raum. In das...
