Markenzeichen Wagner

Albrecht Thiemann über «Siegfried» in Valencia und Riga

Opernwelt - Logo

Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner voll­tönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth ist überall. Wenn ein Haus zeigen will, was es drauf hat, wenn es alle Reserven mobilisieren und die Welt in Staunen versetzen will, nimmt es sich Wagner vor. Am besten gleich den ganzen «Ring».

Eine Aufführung der Tetralogie, zumal aus eigener Kraft gestemmt, gilt auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch als die bedeutendste Trophäe, die ein Intendantenleben bietet. Vom kleinen (Landes-)Theater zu Detmold über Antwerpen, Freiburg und Weimar (siehe Panorama) bis zum Palast der Künste in Budapest (wo Adam Fischer den Wagner-Stab führt [siehe Seite 36]), vom Grand Théâtre du Provence in Aix (wo Simon Rattle Funken schlägt [siehe Seite 20]) bis zur Met in New York (wo sich bald Robert Lepage mit Glanz und Elend von Walhall beschäftigt): Wer auf sich hält, schickt über kurz oder lang Wotan, Siegfried & Co. auf die Bühne.
Erst ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Große Oper mit kleinen Leuten

Mit seiner 1817 uraufgeführten «Diebischen Elster» schuf Gioacchino Rossini sozialistisches Musiktheater, lange bevor es den Sozialismus gab: Die Heldin dieses melodramma, das Dienstmädchen Ninetta, stammt nicht bloß aus der untersten Gesellschaftsschicht, sondern nimmt für ihre Gefühle auch noch die große Arienform in Besitz, die bis dahin weitgehend der...

Nahe am Wahnsinn

Das Publikum der Volksbühne strömt kräftig schon zur Einführung: Man hat vom Buh- und Bravo-Kampf der Premiere gehört und will mitreden können. Und diskutiert wird viel in der Pause und nach der Aufführung – die Meinungen schwanken zwischen Ablehnung und glühender Begeisterung. Ablehnung, weil die Ästhetik der Bühne den lieb gewordenen «Eugen Onegin»-Kitsch gar so...

Das Schwert im Sofa

Das hatten wir uns so schön vorgestellt. Der Lederrocker Wotan hat schulterlange Rastalocken und Erda auch. Wie, so malten wir uns aus, muss da ihrer beider Tochter Brünnhilde erst ausschauen? Das Gedankenspiel kam uns am Ende von Wagners «Rheingold». Das war in der vorigen Saison zwar als «Ein Vorabend» untertitelt, nicht jedoch zu den unglückseligen Weiterungen...