Mal ehrlich Juli 2018
In letzter Zeit bin ich richtig gut drauf. So gut, dass sich meine Familie und Freunde schon ein bisschen wundern. Wahrscheinlich hatten sie damit gerechnet, dass mein Sechzigster mich vollends zum Griesgram machen würde. Aber ich habe sie angenehm überrascht. Doch am Alter liegt’s nicht. Meine Fröhlichkeit rührt daher, dass ich auf Tournee bin.
Nun ist das Wanderleben nicht von Natur aus spaßig. Normalerweise herrscht höllische Hektik. Jeden Tag eine andere Stadt: die Flughäfen, das Busgezuckel! Gesichtslose Kettenhotels, miese Mahlzeiten.
Im Morgengrauen auf den Beinen, dann Stress bis in die Puppen. Das kann jeden noch so wachen Geist lebensmüde machen.
Aber hier geht’s ums Ausschwärmen einer regionalen Kompanie. Anders als in Deutschland mit seinen vielen kleinen, lokalen Truppen ist das Tingeln in Großbritannien eine stolz gehegte Tradition, die zurück zu den reisenden Mimen in Shakespeares Tagen reicht. Auch ich habe meine ersten Schritte als Sänger so gemacht: Bin – zwei Städte die Woche, abwechselnd «Figaro» und «Fledermaus» – kreuz und quer und auf und ab durchs Land gestreift.
Jetzt reise ich durch Schottland. Für die Auftritte in Aberdeen und Inverness habe ich mein ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 76
von Christopher Gillett
Herr Pérez, wie kamen Sie zur Musik?
Ich begann als Autodidakt, als einziger Musiker in der Familie. Mein Vater war Grafikdesigner, meine Mutter Yogalehrerin. Schon im frühesten Alter erkannten meine Eltern, dass ich eine besondere Neigung für klassische Musik hatte. Bevor ich Klavier spielen lernte, konnte ich bereits Noten lesen. In den Buchhandlungen an der...
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