Mal ehrlich August 2018
Zweimal per annum – an ihrem offiziellen Geburtstag und zu Neujahr – verteilt Elizabeth II. allerhand Ehrungen. An die, die Großes, und die, die Gutes tun. Im Juni gab’s ein paar OBEs (Order of the British Empire) für diverse Instrumentalisten und Sänger, Bariton Simon Keenlyside schlug die Queen sogar zum Ritter. Jetzt muss ich ihn wohl Sir Simon nennen – doch das ist mit ernster Miene schlechterdings unmöglich, wenn man mit jemandem die Garderobe geteilt hat und ihn in Unterhosen kennt.
Sir Simon durfte sich also dem kleinen Kreis illustren Opernadels anschließen, wie vor ihm Thomas Allen, Willard White, John Tomlinson und Bryn Terfel. Sie alle haben es verdient, sie alle machen rund um die Welt als Botschafter eine tolle Figur.
Warum aber gehen Tenöre immer leer aus? Zuletzt wurde Peter Pears beglückt, vor 50 Jahren, da war er schon 68. Plácido Domingo bekam 2002 auch den Sir, doch da er den Titel nicht tragen kann, zählt das nicht richtig. Philip Langridge, Charles Craig, Robert Tear und Anthony Rolfe Johnson, inzwischen alle verblichen, mussten sich mit niedrigeren Würden zufriedengeben, obwohl sie sich mit den tiefer gestimmten Kollegen ohne Weiteres messen konnten.
Gibt es eine königliche Intrige gegen Tenöre? Oder wirken sie – Stimmklang, Rollenprofile – irgendwie nichtsnutziger, sprunghafter, komischer? Geben die Kerle mit den tiefen Stimmen die besseren Patrizier ab, sind sie quasi von Natur aus würdevoller, nobler?
Besonders empört mich, dass Graham Clark Jahr für Jahr so schnöde übergangen wird. War er als Mime im Bayreuther Festspielhaus und an der New Yorker Met einfach zu gut? Keine einzige Ehrung ist bisher abgefallen, dabei ist er einer der besten Tenöre der Welt und mit seinen 76 Jahren immer noch emsig dabei. Den möchte ich sehen, der die Kunst des britischen Sängerdarstellers überzeugender vertritt! Los, Lillibeth, sprich mir nach: «Erhebt Euch, Sir Graham!»
(Aus dem Englischen von Wiebke Roloff)
Opernwelt August 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 69
von Christopher Gillett
Argentinien
Buenos Aires
Teatro Colón
Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Piedade: 25., 26.
– Debussy, Pelléas et Mélisande: 31. (P); 2., 4., 7.9.
ML: Diemecke, I: Tambascio, B: Boni, K: Ruiz, S: Cangemi, Filianoti, Maze, Mayer, Mastrángelo
Australien
Adelaide
State Opera of South Australia
Tel. +61-8-82 26 47 90
www.saopera.sa.gov.au
– Die Meistersinger von Nürnberg, 3. Akt...
Aus der Bühnenschwärze heraus blinken tausende farbige Lichter. Eine Frau im Glitzeranzug tritt durch die zwei spitz zulaufenden LED-Wände. Sie bedient Computer; grüne Zahlenkolonnen hetzen über die Monitore. Sie ist die Herrin über die Algorithmen, über die Daten der Menschen.
Catrin Striebeck führt die Zuschauer dann als Sprecherin durch Strawinskys Kurzoper «Oedipus Rex». Doch in...
Als «Das Schloss Dürande», die letzte Oper Othmar Schoecks, im Frühjahr 1943 in der Berliner Staatsoper aus der Taufe gehoben wurde, kam es zu Aufwallungen. Dass er sich für seine Uraufführung, tatkräftig unterstützt durch den Winterthurer Mäzen Werner Reinhart, mitten im Krieg mit dem ersten Opernhaus im nationalsozialistischen Deutschland zusammengetan und, mehr noch, dass er mit dem...
