Magische Bilder
In ihrer Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser» griffen Bühnenbildner Roland Aeschlimann und Regisseur Peter Beat Wyrsch auf das Konzept ihrer «Ring»-Deutung zurück. Aeschlimann hatte den Graben wieder überdeckelt, was nicht nur dem Klang des unter der Leitung von Rainer Mühlbach erstaunlich differenziert und tonschön spielenden Orchesters zugute kam, sondern die Rampe unmittelbar vor die Zuschauer setzte.
Auf der Bühne selbst vollzog sich ein aus Licht und Schleiern gewirktes Spiel der Formen und Farben, das vor allem im ersten und dritten Akt immer wieder Tannhäusers Pilgerfahrt ins Innere der Seele magisch illuminierte. Venus und Elisabeth wurden auf diese Weise zu Personifizierungen von Tannhäusers emotionaler, zwischen Sensualismus und sozialer Anerkennung schwankender Labilität, was die entgegen Wagners ausdrücklichem Wunsch vorgenommene Besetzung der beiden Frauen durch dieselbe Sängerin zwar verständlich, aber nicht richtiger machte.
Leider hat Wyrsch Aeschlimanns visionäre Bilderwelt in seiner Personenführung kaum aufgenommen und auch die Möglichkeit der Trennung in Proszenium und Hauptbühne, anders als im «Ring», nicht dramaturgisch sinnvoll genutzt. So gingen die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Moskau mit seinen elf Millionen Einwohnern gibt es fünf Opernhäuser, und sie sind fast jeden Abend sehr gut besucht. Doch die fünf Zacken des Moskauer Opernsterns strahlen nicht alle gleich intensiv. Drei Häuser kann man ohne weiteres große nennen, während die beiden übrigen verhältnismäßig kleine Spielstätten haben, obwohl sie über eine recht große Truppe...
Dass Peter Sellars die Haare zu Berge stehen, ist nicht Ausdruck emotioneller Exaltiertheit, sondern gehört zu seinem Styling. Den Schrecken tragen bei seinen Inszenierungen eher jene davon, die missverständlich glauben, Werktreue heiße, ein Stück zu spielen «wie es im Büchel steht». Wobei sie im Grunde nicht die Herstellung der Uraufführungsbedingungen fordern,...
Mit der «Proserpina» des erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckten deutsch-schwedischen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus sowie der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper «Kälte» («Da gelo a gelo») hat sich Schwetzingen einmal mehr zu seiner Vorliebe für das Ausgefallene und Aparte bekannt. Beide Male wurde der Mut zum Risiko...
