Märchen für alle
Man mag Barrie Kosky für einen zuweilen leichtfertigen Regisseur halten. Aber kaum je für einen langweiligen. Mit dieser angelsächsischen Tugend könnte ihm noch einmal die Schlüsselrolle zufallen, aus den Einbahnstraßen eines inzwischen oft verbraucht wirkenden Regietheaters Auswege zu finden. Mit «Rusalka» jedenfalls gelingt ihm in Berlin nicht nur ein Votum für ein gern unterschätztes Meisterwerk, sondern eine seiner besten Arbeiten bislang.
Kosky hält die Geschichte von der Wasserfrau, die zu den Menschen will (und dabei ihren Prinzen mit in den Abgrund reißt), für einen zweifelsfreien Märchenstoff. Dennoch will er, dass sich jeder Zuschauer sein eigenes Märchen projiziert. Ein zunächst merkwürdig bescheidener, um nicht zu sagen: unmöglicher Anspruch. Denn dann könnte sich jeder zu Hause seine eigene CD auflegen – und drauflos projizieren. Klaus Grünberg hat das Neorokoko-Bühnenportal des Hauses dupliziert und noch einmal auf die Bühne bauen lassen – verkleinert, so dass wir die Handlung in doppeltem Rahmen sehen: Theater auf dem Theater. Was das mit der erklärten Projektionseinladung an das Publikum zu tun hat, ist dem Verfasser, ehrlich gesagt, verschlossen geblieben. Da aber ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Kai Luehrs-Kaiser
Die Opera North ist inzwischen die einzige britische Kompanie außerhalb Londons, die es richtig macht: Sie hat zwar kein eigenes Ensemble, besetzt die Rollen jedoch aus einem Pool von Künstlern, die dem Publikum bekannt sind. Außerdem hat sie ein breit gefächertes Repertoire inklusive neuer Werke auf dem Spielplan und verpflichtet größtenteils anerkannte...
Normalerweise stehen Nachrufe im Magazin-Teil der «Opernwelt». Wenn sie auf Seite 1 auftauchen, hat das Gründe. So wie jetzt, wo wir an Claus Helmut Drese und Wolfram Schwinger erinnern: zwei Opernchefs von Format, die wenige Tage hintereinander im Februar 2011 gestorben sind; zwei Integrationsfiguren, die ihren Häusern neues Profil gaben, ohne sich dabei in den...
Eines kann man über den neuen «Ring» an der Bastille schon jetzt sagen: Beim französischen Publikum stößt er auf vehemente Ablehnung. Wie schon bei «Rheingold» und «Walküre» gab es auch im «Siegfried» eine von Wagner eigentlich nicht vorgesehene Rolle, den Buh-Chor. Dabei bietet Günter Krämers Inszenierung keinerlei echte Provokationen, vielmehr werden die Stärken...
