Macht am Rhein
Es gehört wohl zu den anthropologischen Konstanten, dass sich im subjektiven Rückblick die Dinge umso mehr verklären, je weiter sie in der Vergangenheit liegen. Der oft im Brustton der Überzeugung vorgetragene Glaubenssatz, dass früher alles besser gewesen sei, ist dabei natürlich meist weniger fundiertes Lob des Gewesenen als Ausdruck des Unbehagens an einer als unübersichtlich oder unwirtlich empfundenen Gegenwart. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, und eine dieser Ausnahmen ist fraglos die Geschichte der Deutschen Oper am Rhein.
Wer die über fünf Jahrzehnte ausgespannte Entwicklung dieses im September 1956 mit Spielstätten in Düsseldorf und Duisburg gegründeten Instituts an Hand von Augenzeugenberichten, Besetzungslisten und Tondokumenten Revue passieren lässt, wird sich schwerlich der Einsicht verweigern können, dass es seine besten Zeiten nicht unbedingt im Hier und Heute hatte.
Ein Grund für die Ausstrahlung des Zwei-Städte-Hauses schon in der frühen Phase seiner Existenz: Es entpuppte sich dank einer erlesenen, bis heute gepflegten Ensemblekultur als Sprungbrett (und emotionale Heimat) für viele Künstler, die in Düsseldorf und Duisburg gleichsam die Grundausstattung ...
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Immerwährender Fall einer Selbstüberprüfung, auch einer Selbsteinschüchterung. Fällt der Name Klaus Michael Grüber, geht man stets aufs Neue in sich, gerät ins Nachdenken, ob sein heutiger Regie-Minimalismus nicht die wiedergefundene Einfachheit einer Regielegende von ehedem sein könnte. Aufs Neue indessen auch die – bei seinesgleichen zögernde – Antwort: eher...
Wenn er daherkäme wie Hans Pfitzners Palestrina in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff 1999, niemand könnte ihm böse sein: der Intendant als resignierter Romantiker im öffentlich-kommunalen Musikbetrieb. Zehn Jahre ist Tobias Richter nun in Düsseldorf, und schon die Bedingungen zu seiner Amtsübernahme waren keineswegs dazu angetan, ihn zum Strahlemann der...
