Lucky gähnt
Lucky heißt der kleine gepunktete Hund. Sein Herrchen, ein grimmig blickender Kerl, versperrt den Weiterweg in den Eingeweiden des Gasteig-Kulturzentrums mit seinen Rohren und Tanks. Doch die Performance «Anticlock» geht weiter, später sogar per Bus in den Münchner Norden zu einer regennebelbesprühten, bemüht düsteren Installation, während der Fahrt allerdings nur mit blickdichten Schlafbrillen, so die Bedingung des Herrchens. Von einer anderen Dimension raunt derweil unsere blonde Fremdenführerin. Und das Tier reagiert vollkommen nachvollziehbar: Lucky gähnt.
Ganz anders sollte diese Münchener Musiktheater-Biennale eins nach der Ära von Peter Ruzicka sein. Fürs Zerreißen eines immer dichter ge- und versponnenen Festpielkokons wurde das Komponisten-Paar Manos Tsangaris und Daniel Ott geholt. Für ein Heraustreten aus dem Randbiotop mitten hinein in eine auf Kulinarik gepolte Metropole. Und wohl auch für augenzwinkernde Lockerungsübungen nach vielen krampfhaften Expeditionen auf vermeintlich neue Kontinente des Musiktheaters. Doch Tsangaris und Ott, gerade deshalb ist nach diesen knapp zwei Wochen die Enttäuschung so groß, sägten munter und in der Außenwirkung wenig koordiniert am ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel
Plüschig geht es nicht zu im Palast von Mustafà, dem Bey von Algier. Mag das Théâtre du Capitole auch ein wenig nach Puppenstube aussehen – auf der Bühne herrscht die blanke Moderne. Der Bey bewohnt ein Penthouse, natürlich mit Meerblick. Alles ist blendend weiß und sehr übersichtlich. Hier gibt es keine Serailgemütlichkeit, aber auch keine islamistischen...
Es ist ja nicht so, dass Kirill Petrenko die «Meistersinger» einfach schneller dirigieren würde als die allermeisten seiner Kollegen. Dass sie bei ihm in sich bewegter klingen, filigraner, schwungvoller, detailreicher, folgerichtiger, das hat viele Ursachen. Schon das Vorspiel gelingt als Meisterstück ausgewogener Proportionen. Das C-Dur-Eingangsthema wird meist zu...
Unter den großen Komponisten des 19. Jahrhunderts ist Hugo Wolf der Lyriker par excellence. Bei ihm steht das Wort im Zentrum wie bei keinem seiner Vorgänger. Seine Musik dient den Dichtern – Goethe und Mörike zuallererst, aber auch Eichendorff, Paul Heyse und Emanuel Geibel. Gleiches ließe sich, über die Sprachen und Zeiten hinweg, nur noch von Francis Poulenc...
