Leuchtspur des Begreifens

«Das Bastardbuch» von Hans Neuenfels ist alles andere als eine normale Memoiren-Einöde

Opernwelt - Logo

Als er sich kürzlich nach der Premiere von Schoecks «Penthesilea» auf der Bühne der Frankfurter Oper blicken ließ, gab es kein einziges Buh. Hans Neuenfels verbeugte sich – und wurde gefeiert. Wie sich die Zeiten ändern. In Frankfurt tobten einst seine härtesten Opernstürme, in der Ära von Michael Gielen und vorher schon, als er eingeladen wurde von Christoph von Dohnányi.

Der Chor trat in Flüsterstreik, ein «Macbeth»-Dramaturg namens Gerard Mortier ohrfeigte den Chordirektor, Aida schrubbte den Boden, ihre äthiopischen Leidensgenossen wurden zum Triumphmarsch mit Grillhähnchen abgefüllt,  Busonis «Doktor Faust» und Schrekers «Gezeichnete» standen als moderne Meisterwerke wieder auf, und die Welt der Oper war nach diesen Jahren unumkehrbar anders als zuvor.

Nun also, mehr als ein Vierteljahrhundert später, die «Penthesilea», auf ein Minimum reduziert, keine Exzesse, keine expressive Übersteigerung, wie sie die Musik von Schoeck ja nahelegen könnte, natürlich auch kein Realismus. Stattdessen der Filter einer doppelten Verfremdung. Theater auf dem Theater und ein klassizistischer Rahmen. Ein bisschen wirkte das Neuenfels-Theater da selbst schon klassizistisch, jedenfalls konservativ ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | Bücher, Seite 35
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Wieder vereint

Seit seiner Uraufführung an der New Yorker Metropolitan Opera im Dezember 1918 hat Puccinis Triptychon gemischte Reaktionen hervorgerufen. Nach der erfolgreichen Premiere wurden die Drillinge getrennt: «Gianni Schicchi», ursprünglich der heitere dritte Akt des Ganzen und als solcher gleichsam eine bombensichere Nummer, gedieh auch allein prächtig, während «Il...

Grenzenlose Neugier

Am 2. April 2011 wäre der Schweizer Musikwissenschaftler und Publizist Theo Hirsbrunner achtzig Jahre alt geworden. Er starb wenige Monate vorher. Seit seiner Studienzeit, als von vernetztem Denken und «Kulturtransfer» noch nicht die Rede war, beschäftigte er sich mit neuer und neuester französischer Musik, aber auch mit Richard Wagner, Janácek und vielen anderen....

Doppeltes Spiel

Frisch getäuscht ist halb gewonnen. Er wolle mit seiner letzten Arbeit an der Komischen Oper, so erklärt Andreas Homoki, keineswegs «demonstrativ an Felsenstein anknüpfen». Wer’s ihm glaubt! Die legendäre «Füchslein»-Inszenierung von Walter Felsenstein (1956 mit Irmgard Arnold) gilt bis heute als bedeutendster Ausdruck einer großen Ära. Eine Inkunabel des...