Latin Lover
Sie ist noch immer weit verbreitet, die Vorstellung von Don Giovanni als dem genialischen, im Gefühl seiner Omnipotenz gegen göttliches Gesetz aufbegehrenden Verführer: ein Rollenbild, das nicht zuletzt von Ausnahmesängern wie Cesare Siepi und George London geprägt wurde. Die junge Regisseurin Andrea Moses sieht das ganz anders. In ihrer Bremer Neuinszenierung von Mozarts Oper wird der Titelheld gründlich entdämonisiert. Ein ganz gewöhnlicher Ganove. Ein Macho, der seine Wirkung auf Frauen ganz gern auch mal überschätzt.
Ein Held aus dem Gangster- und Hehler-Milieu, wie man es aus dem Krimi kennt. Befreit von allzu großem metaphysischen Tiefsinn, aber nie der Lächerlichkeit preisgegeben, durchaus mit Problemen kämpfend. Problemen des Misslingens, des Ungenügens, der Alltäglichkeit – einer bunten TV-Alltäglichkeit.
Ein Hotel auf der Drehbühne, mit wenigen Handgriffen in die unterschiedlichsten Spielorte verwandelbar (Ausstattung: Christian Wiehle), steht als Metapher für eine Welt der flüchtigen Beziehungen und eine Leichtigkeit des Seins, die sich in Mozarts «Oper aller Opern» durchaus auch wiederfinden lässt. Hier treffen sich die unterschiedlichsten Charaktere, die von der ...
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Der Weg von Prokofjews erster großer Oper «Der Spieler» verlief alles andere als geradlinig. Der Komponist schrieb sie während der Kriegsjahre 1915-1917 auf ein selbst verfasstes Libretto nach Dostojewskis gleichnamigem Roman von 1866, war ihm doch eine Uraufführung am St. Petersburger Mariinsky Theater in Aussicht gestellt worden. Der Ausbruch der...
Was sich leicht singt, ist schwer zu schreiben. Es gab und gibt immer nur wenige Komponisten, die sich mit der menschlichen Stimme als Instrument befassen. Dabei geht es weniger um Fragen des Umfangs oder der Dynamik als um die Balance der Lagen, um physische Spannung und Entspannung, um das Verhältnis von Klang und Emotion. Für Stimmen komponieren bedeutet mehr,...
Francis Poulencs 1957 uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» passt nicht mehr in unsere Zeit – könnte man denken. Was soll der moderne, ideologiekritische Mensch mit dieser wahren Geschichte von Karmeliterinnen anfangen, die in den Nachwehen der Französischen Revolution singend zur Guillotine schritten? So dachte zumindest Benedikt von Peter, als er die...
