Lärmendes Schweigen
Am 28. Oktober 1918 wurde die unabhängige Tschechoslowakische Republik proklamiert – der diesjährige Herbst bringt deshalb in Prag so einige staatstragende Festivitäten mit sich. Zur Neuproduktion des «Fidelio» im klassizistischen Ständetheater erinnerte ein alter Theaterzettel im Programmheft daran, dass Beethovens Oper weiland in Anwesenheit des neuen Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryk gegeben wurde – wobei er in seiner Eröffnungsrede versprach, dass deutsche Kultur auch von der neuen Regierung gefördert würde.
Doch das Verhältnis der neuen Machthaber zur deutschen Minderheit blieb gespannt. War der «Fidelio» einmal von Carl Maria von Weber und Gustav Mahler im alten Ständetheater dirigiert worden, so brach seine Popularität nach dem Ersten Weltkrieg ein; spätestens nach dem Einmarsch von Hitlers Truppen in den Jahren 1938/39 war die Oper trotz ihres emphatischen Freiheitsbekenntnisses kein Lieblingsstück der Tschechen mehr.
Das Prager Setting der Regisseurin Vera Nemirova und ihrer Bühnenbildnerin Ulrike Kunze geht auf historische Machtverhältnisse nicht ein: Don Pizzarro ist kein Hitler oder sowjethöriger Diktator à la Klement Gottwald, Florestan kein Alexander Dubček, ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Struck-Schloen
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