Kurzkommentare
Von Dietrich Fischer-Dieskau habe ich gelernt, dass es im Lied nicht um den Gesang oder die Stimme geht, sondern um das Erzählen von Geschichten. Schon bevor ich in seine Liedklasse kam, hat mich sein Umgang mit der unglaublichen Feinheit der Sprache fasziniert. Das Leben der Musik fängt erst an, wenn man sie von der Sprache her versteht. Das betrifft nicht nur die Artikulation, sondern zum Beispiel auch das Tempo: Wenn ich einen Text innerhalb des gegebenen musikalischen Rahmens erzählen kann, dann stimmt auch das Tempo.
Für Soprane, insbesondere in der hohen Lage, ist es natürlich schwerer, sprachliche Details zu gestalten, als für Männerstimmen, deren Singstimme der Sprechlage viel näher ist. Trotzdem bleibt der Anspruch. In diesem Denken der Musik aus der Sprache und als Sprache sind Fischer-Dieskau und Nikolaus Harnoncourt Brüder im Geiste. Ich kenne außer den beiden niemanden, der das so radikal gelebt und eingefordert hat. Und ich hoffe, dass die Tradition, die sich damit verbindet, nicht verloren geht.
Christine Schäfer
Wenn ich Lieder höre, ist Dietrich Fischer-Dieskau immer da. Meine erste Erinnerung an ihn ist allerdings eine Aufnahme von «Großer Herr, o starker ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Hommage Dietrich Fischer-Dieskau, Seite 40
von Christine Schäfer, Christian Thielemann, Thomas Hampson
Orchesterwerke von Detlev Glanert sind im Vereinigten Königreich bereits mehrfach in hochkarätigen Konzerten zur Aufführung gelangt. Sieht man einmal von einer 2007 im Rahmen eines Workshops präsentierten Deutung seines Kammeropern-Triptychons «Drei Wasserspiele» im Londoner Almeida Theatre ab, so ist die erste Glanert-Oper, die nun den Weg auf eine britische...
Kaum vorstellbar, dass das Stück zu Zeiten seiner Uraufführung knapp an mehreren Skandalen vorbeischrammte. So musste Boris Blachers «Preußisches Märchen», eine originelle Variante auf das «Hauptmann von Köpenick»-Thema, wegen seiner Kritik an Militarismus und Obrigkeit erst mehrere Parlamentsdebatten und Textabschwächungen durchstehen, bevor es zur Uraufführung...
Dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt, darin ist sich Andrea Moses, die jetzt in Stuttgart Bergs «Wozzeck» herausgebracht hat, mit Karl Marx, aber auch mit Michel Foucault einig. Sie holt Bergs bedrückende Musikalisierung von Büchners Parabel in die unmittelbare Gegenwart und rückt sie den Zuschauern hautnah auf den Leib.
Christian Wiehles...
