Kritischer Realismus
Kaum ein anderes großes Land war kulturell so zerklüftet, dezentralisiert wie Deutschland, die «verspätete Nation» (Helmuth Plessner). Es gab keine dominierende Hauptstadt wie die «Wasserköpfe» Paris und London. Hinzu kamen die Kleinstaaterei und die selbstbewussten freien Reichsstädte. Zudem spaltete die Reformation das Land in Katholiken und Protestanten. Gravierender freilich war die innerdeutsche Grenze.
So standen an Musik und Theater interessierte Berlin-Besucher in der geteilten Stadt vor der allemal animierenden Alternative: Komische Oper oder Philharmonie, Berliner Ensemble oder Schaubühne?
Aus westlicher Sicht war Ost-Berlin ein Bühnen-Dorado: Walter Felsenstein, Bert Brecht, Heiner Müller, Paul Dessau und Ruth Berghaus hießen die prägenden Figuren; sie standen für heterogene Positionen realistischen Theaters, hatten mancherlei Privilegien, was Dissens mit der SED-Kultur-Bürokratie nicht ausschloss. Aus diesen Spannungen heraus erwuchs in der Folge eine Musiktheater-Generation, die in verschiedenster Weise die Opernästhetik bereichert hat: Götz Friedrich, Joachim Herz, Harry Kupfer, Achim Freyer, Peter Konwitschny. Den Ur-Vätern Brecht und Felsenstein waren sie ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Abschied, Seite 32
von Gerhard R. Koch
Ungewöhnliche Spielstätten wie die High Line, Manhattans hippester Parkstreifen, oder Clubs in Brooklyn. Als Hauptbühne die feine, 200 Plätze bietende Theater-Black-Box des Baruch Colleges: In nur fünf Jahren hat sich die Heartbeat Opera zur ehrgeizigsten freien Operntruppe New Yorks entwickelt. Gegründet wurde sie 2014 von dem aus Washington D.C. stammenden...
Dass die Archive der BBC noch viele vergessene Schätze bergen, erweist sich ein weiteres Mal mit der Veröffentlichung von Aufnahmen der Weber’schen «Euryanthe» (1955) und Mozarts «Le nozze di Figaro» (1961). Die Aufzeichnung von Carl Maria von Webers romantischer Oper – der Musik wegen heiß geliebt, des abstrusen Librettos wegen kaum auf der Bühne zu erleben – war...
In der Oper ist er Normalfall: der psychische Aggregatzustand des Außer-sich-Seins. Und eine gewisse Erregung sogar eigentlich die Grundvoraussetzung für Expression durch hochtourigen Gesang. Besonders im 19. Jahrhundert trieb diese Einsicht giftige Blüten; auffällig oft verfallen in den Opern dieser Zeit Frauen dem Wahnsinn. Gaetano Donizettis «Lucia di...
