Krieg und Glamour
Neben den populären Klassikern zwischen «Carmen», «Traviata» und «La Bohème» sind Mozarts «Don Giovanni» und «Titus» – beide in Prag uraufgeführt – und die tschechische Oper Spielplan-Säulen des Narodní Divadlo, des Prager Nationaltheaters. Eine «Norma» hat es da schwer. Zumal die neue Produktion auf der Kippe stand: Daniel Dvorák, der das abstrakte Bühnenbild entworfen hatte, war während der Vorbereitungen als Operndirektor abgesetzt worden.
Die Probenarbeit haben solche Turbulenzen jedoch kaum beeinträchtigt: Bruno Berger-Gorski gelang die überzeugende Deutung einer tragischen, tödlich endenden Liebe aus Sicht der einzig Überlebenden – Adalgisa. Sie sitzt zu Beginn am Flügel und schlägt die Noten zu Bellinis Oper auf; am Ende sucht sie verzweifelt die Noten zu zerreißen – als ob sie damit den doppelten (Liebes-)Tod Normas und Polliones durch Gewehrkugeln in einem Flammenkreis verhindern und den Geliebten wie die Freundin retten könnte.
Dazwischen erzählt Berger-Gorski ein Kriegsdrama: Besatzer verbreiten mit Suchscheinwerfern, Gewehren und Hausdurchsuchungen Angst und Schrecken. Norma kann unter diesen Bedingungen die Folgen ihres Fehltritts (sie hat mit dem römischen «Feind» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring...
«Ich bin Samiel, ihr habet Teil an mir. Ich bin durch euch und komm’ durch euch zur Tat. Ihr könnt mich sehen. Doch ihr wollt blind nur sein.» Regisseur Wolfgang Lachnitt und sein Dramaturg Bernhard Lenort haben dem Bösen neue Worte in den Mund gelegt. Damit wollen sie sich nicht interpretatorisch aufplustern, nein, die Texte sind einzig dazu gedacht, die krude...
Scherz, Satire, Poesie und tiefere Bedeutung
Opera Rara präsentiert Auszüge aus dreiundzwanzig vergessenen Bühnenwerken Jacques Offenbachs
Offenbachianer werden die neue 2-CD-Box «Entre Nous. Celebrating Offenbach» des englischen Entdecker-Labels Opera Rara mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Hand nehmen. Einundvierzig Auszüge aus dreiundzwanzig kaum...
