Kreisch, seufz, jauchz, peng!
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem erneut exzellenten Zürcher Opernorchester zuschliff, hat auch für uns Heutige noch genug Aufsässigkeit, Mutwillen, Ätzendes. Damals muss es tollkühn gewirkt haben.
Diese Musik keift, kräht, kiekst und kobolzt. Sie hüpft, plärrt, flitzt und jauchzt. Sie schnattert, überschreit sich, tobt und faucht. Sie gellt, galoppiert, walzt und gestikuliert. Sie hetzt sich ab, quietscht, schnarcht und räuspert sich. Aber die Musik zu der beinahe tragischen, tief pessimistischen Burleske trauert auch. Sie jammert und flennt mit dem malträtierten Helden der ersten Oper des gerade 22-jährigen Komponisten. Und wir schmunzeln immer noch über ihren grotesken Witz, wenn eine freche Polka über Stock und Stein rumpelt, ein keck-komischer Galopp den Flirt mit der Banalität wagt und ohne Pause in die fromme Sphäre des russisch-orthodoxen ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind:...
Längst haben Countertenöre die Kreise der Alten und Neuen Musik verlassen und begonnen, sich auch das dazwischen liegende Repertoire anzueignen. Jochen Kowalski war einer der Ersten, der Liederabende mit einem klassisch-romantischen Programm riskierte – und Gehör fand. Philippe Jaroussky gelang 2009 eine kleine Sensation mit seinem wahrhaft berauschenden Album...
Für medientaugliche Themen und lukrative Nischen im Kulturbetrieb hatte der Autor und Regisseur Michael Sturminger schon immer eine gute Nase. Vor fünf Jahren zum Beispiel, als ganz Österreich sich zum 250. Geburtstag des Wolferl aus Salzburg im Mozart-Rausch befand, schrieb er das Libretto zu einer Oper mit dem schönen Titel «I hate Mozart» (Musik: Bernhard Lang)....
