Kopflos
Die Bilder sind nur allzu vertraut. Im Hintergrund der «Puritani», der letzten Oper Vincenzo Bellinis, tobt einer jener Religionskriege, von denen heute Tag für Tag Schreckensnachrichten um die Welt gehen. Andreas Homoki, der «I puritani» am Opernhaus Zürich auf die Bühne gesetzt hat, stellt die Parallele und damit die Aktualität des Stoffs scharf ins Licht. Zur ersten Szene zeigt er die Gefangennahme und die Enthauptung des an einen Stuhl gefesselten Stuart-Königs Charles I. durch den Offizier Bruno.
Den mit einem großen Messer abgetrennten Kopf erhält die soeben zur Witwe gewordene Königin Henriette, bevor sie, dies freilich hinter der Bühne, den Mörder ihres Gatten noch von einer anderen Seite kennenlernt. Homoki geht hier einige Schritte über das Libretto von Carlo Pepoli hinaus, er denkt es aber bloß weiter, erfindet nichts dazu.
Anders im Finale. Da widerfährt dem Offizier Arturo Talbo dasselbe Geschick wie seinem König: im selben szenischen Setting, mit demselben Ergebnis. Zum Schluss steht die von ihrem Wahnsinn geheilte Elvira als eine andere Salome da, mit dem durch einen schwarzen Sack verhüllten, frisch abgetrennten Kopf ihres Geliebten in den Armen – während der Chor ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann
Es gab kein Halten, 75 Aufführungen in Folge: Um einen solchen Erfolg hätte selbst ein Rossini seinen damals noch weitgehend unbekannten Kollegen Meyerbeer beneiden können. Dessen dritte italienische Oper (von sechs) schlug 1819 in Venedig ein wie ein Blitz. Das lag kaum an der mehr als umständlichen Intrige, sondern am unerhörten, weil dezidiert romantischen...
Die Gefühle stauen sich nachttief in diesem Kabinett manischer Depressionen. Mag die Musik noch so hellsichtig von geheimem Begehren erzählen, mag sie das entfremdende Spiel um Liebe, Geld und gesellschaftliche Anerkennung noch so klar aufdecken, für den tragischen Helden, der sich hier am Klavier, im Fauteuil oder auf dem Ball das wahre Leben herbeisehnt, kommt...
Vielleicht hat die Arie der Rezeption fast geschadet: Die Auskopplung von «Rachel, quand du Seigneur», die Beförderung zu einem der Opernhits des 19. Jahrhunderts, raubte der Figur des Eléazar im allgemeinen Bewusstsein entscheidende Facetten. Ein Verzweifelter? Ein grundlos Ausgestoßener, der am Rand von Fassung und Leben seinen Gott um letzte Hilfe anfleht? Die...
