Konzentration statt Kraft
Gerade weil er so weltfremd wirkt, ist Don Quichotte der Welt seit einem halben Jahrtausend nah. Was er sagt und denkt, mag illusionistischer Blödsinn sein, sein Wirklichkeitsausschnitt naiv, seine Hoffnungspalette dümmlich. Trotzdem steckt darin mehr Wahrheit und Wirklichkeit als in vielen realistischen Diagnosen. So wuchs die Figur zum Mythos: offen für viele Gewänder, Gestaltungen und Anliegen. In der Musikgeschichte ist Don Quichotte seit jeher ein alter Bekannter. Komponisten wie Paisiello, Piccinni, Moniuszko und Wilhelm Kienzl haben ihn auf die Bühne geholt.
Und 2000 wurde in Madrid die innerlich und äußerlich groß dimensionierte «Don Quixote»-Oper von Christobal Halffter uraufgeführt (siehe OW 4/2000). Zu schweigen von Liedern oder dem Ausritt auf einem Cello, angespornt von Richard Strauss.
Jules Massenets «Don Quichotte» ist, was immer man sonst von dem Komponisten halten mag, in dieser Reihe etwas durchaus Besonderes. Geschrieben auf Anregung von Raoul Gunsbourg und 1910 in Monte Carlo uraufgeführt, repetiert sie zweieinhalb Akte die bekannten komischen und skurrilen Seiten der Figur. Dann folgt eine Wende, die es in sich hat: Der Ritter von der traurigen Gestalt wird ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Müsste «Der ferne Klang» nicht die Oper aller Opern sein? Bereits Franz Schrekers Titel signalisert die nicht auseinanderdividierbare Identität von Inhalt und Ausdrucksmittel. Im Zentrum steht die lebenslange Suche des Komponisten Fritz nach dem Klang an sich. Also: Musik über Musik, eine Oper über eine Oper, die nämlich, an der Fritz im Finalakt letztlich...
Hans Knappertsbusch und München – das war ein langes, teils verworrenes und nicht immer unproblematisches Verhältnis. 1922 übernahm er, als Nachfolger Bruno Walters, die musikalische Leitung der Bayerischen Staatsoper, die er – politisch bedingt – 1937 wieder aufgeben musste. Nach dem Krieg kehrte er 1945 für kurze Zeit in sein altes Amt zurück, bevor man ihm eine...
Das Ich als Totalität. Wahrheit als Ausgeburt der eigenen Wahrnehmung. Plötzlichkeit als Wende ins Absurde. Am Ende führt Verblendung in die Katastrophe. Totale Freiheit bringt nichts als Zerstörung. Schließlich die Selbstauslöschung.
So deutet Detlev Glanert den Caligula-Stoff, wie ihn Albert Camus 1945 auf die Theater-Bühne gebracht hat. Wie so oft bei Camus, geht...
