Kontrolle und Emotion
Sie sagten einmal, Ihr Bayreuther «Parsifal»-Dirigat habe Sie verändert. Was ist passiert? Mir war das vorher nicht so deutlich, dass Wagner nicht nur ein grandioser Komponist, sondern auch so etwas war wie der erste große Dirigent. Bei ihm ist alles unheimlich klar organisiert. Man kann in Bayreuth nicht reüssieren mit dem Vorsatz: «Ich will hier meine Ideen verwirklichen.
» Man muss erst versuchen, diese besondere Situation zu begreifen. Große Gesten zum Beispiel, zu denen wir ja gerade bei Wagner verleitet werden, sollte man vermeiden. Und das alles nimmt man dann mit an andere Orte.
Ist man als jüngerer Dirigent in Gefahr, als Kontrollator aufzutreten?
Das liegt am Typ.
Manche gehören mehr zu den Emotionalen, manche mehr zu den Kontrollfreaks ... und Sie?
Ich behalte schon grundsätzlich gern die Kontrolle über die Sache. Vertrauen aufbauen, einfach spielen lassen, diese große Kunst muss man mit den Jahren lernen.
Dirigiert man Symphonisches anders, wenn man wie Sie an Opernhäusern sozialisiert wurde?
Ja. Man dirigiert kapellmeisterlicher, formaler, organisatorischer. Das ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Markus Thiel
Eine frühe Aufnahme ist erhalten, aus den Sechzigern dürfte sie sein. Da steht er vor dem Orchester der römischen RAI, jung, rank, Afro-Frisur, und entfesselt Wagners «Meistersinger»-Vorspiel. Doch kein Stürmer und Dränger ist am Werk, der jugendfrisch charmiert. Lorin Maazel war schon viel weiter. Mit der Rechten werden die Wogen energisch kanalisiert, der...
So gehört sich’s. Der Tenor unserer Tage singt nicht mehr aus Notenblättern oder Klavierauszügen, sondern er hat sie in seinem Tablet gespeichert. Er blättert nicht mehr, sondern er klickt. Er braucht sein Gepäck nicht unnötig zu belasten. Wenn er aufs Podium geht, liegt kein Papier auf seinem Notenpult, sondern ein kleiner, flacher Lesebildschirm. Michael Spyres,...
Was du ererbt von deinen Vätern hast», heißt es in Goethes «Faust», «erwirb es, um es zu besitzen.» Hat man sich das bei der EMI vor Augen gehalten, als es um die Künstlerin ging, deren Erbe wohl mehr Zinsen abgeworfen hat als das von irgendjemand sonst und das jahrzehntelang vom Marketing mit dem absurden Allerlei von «Best of»-Kompilationen geschändet wurde?
«Ca...
