Kontraste
Seit über 100 Jahren bilden Leoncavallos «Pagliacci» und Mascagnis «Cavalleria rusticana« auf der Opernbühne eine Schicksalsgemeinschaft, so selbstverständlich, dass selten mal jemand darüber nachdenkt, ob das überhaupt stimmig ist. Leipzigs Chefdramaturg Christian Geltinger tat es nun – und kam zu dem überraschend naheliegenden Schluss, dass sich beide Stücke aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Stil und Stoff gegenseitig neutralisieren, wenn nicht gar erschlagen.
Weshalb jetzt in Leipzig «I Pagliacci» mit Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» zusammengespannt wurde, einem auf den ersten Blick völlig inkompatiblen Werk. Auf den zweiten existieren durchaus zarte Ähnlichkeiten: Beide Einakter werden mit einem Prolog eingeleitet (was sie als Stück im Stück kenntlich macht), hier wie dort tobt der Geschlechterkampf, will sich eine Frau befreien von den Banden ihrer Herkunft.
Philipp J. Neumann inszeniert nur den ersten Teil, «Blaubart». Eine Waschmaschine grüßt vom Proszenium, Sinnbild jener häuslichen Hölle, der Judith zu entfliehen sucht, indem sie Blaubart folgt. Dessen Burg erscheint bei Neumann, der sein eigener Bühnenbildner ist, als von isländischen Landschaften inspirierter, ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt
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