Koloraturen mit Gefühl
Nichts weniger als den Übergang vom Spätbarock zur Frühklassik markiert dem italo-amerikanischen Musikwissenschaftler Elvidio Surian zufolge die Uraufführung von Johann Adolf Hasses Oper «Artaserse» 1730 in Venedigs Teatro San Giovanni Grisostomo: ein Meilenstein nicht nur in der Entwicklungsgeschichte der Oper als Genre, sondern auch Anfangspunkt der beispiellosen Karrieren sowohl des Komponisten als auch des Librettisten Pietro Metastasio und des ersten Solisten Farinelli.
Alle drei verdanken ihren Durchbruch zu europaweiter Bekanntheit jenen wohlhabenden Venedig-Reisenden, die auch damals schon zur Karnevalssaison von überall her scharenweise in die Lagunenstadt pilgerten.
Umso bedauerlicher ist es, dass die Partitur zu jener Sternstunde, von Hasse und anderen über drei Jahrzehnte hinweg wiederholt umarrangiert, nicht in der Originalversion überdauert hat. Folglich schickten sich die Initiatoren der aktuellen Wiederaufnahme, Marco Beghelli und Raffaele Mellace, an, eine nach eigener Aussage «verlässliche» Rekonstruktion zu besorgen. Eine verkürzte Fassung ist dabei nicht herauskommen, vielmehr eine (die Pausen eingerechnet) nahezu vierstündige Version – und das trotz des überaus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Carlo Vitali
Das Jurastudium, die Annäherung an die Architektur, die Banklehre und auch der Delikatessenhandel – all das war nichts für den jungen Herrn aus großem Hause. Einhunderttausend Budapester Juden zu retten – diesen Ruhm erwarb sich der schwedische Amateurdiplomat Raoul Wallenberg dagegen mit vollem Recht, auch wenn sein NS-Gegenspieler Eichmann es allein in Ungarn...
Bayreuth war immer schon politisch, die Bayreuther Festspiele auch. Dass der Dichter erst wieder dichten könne, wenn es keine Politik mehr gebe, diesen Satz hat Wagner seiner politisch-ästhetischen Utopie zwar vorangestellt, ohne sich selbst allerdings daran zu halten. Aus welchen praktischen Zwängen auch immer: Als 1876 die ersten Festspiele eröffnet wurden, waren...
Es könnte glatt eine Empfehlung von Frank Castorf sein. 2016 wird Jonathan Meese in Bayreuth den «Parsifal» – nein, sicher nicht inszenieren, aber in den ihm eigenen Kosmos eingemeinden. Meese sagt ja schon lange, dass ihn Wagners Musik anmacht, weil man bei ihr in Trance kommt. Mit einer «Parsifal»-Performance ist er bereits 2005 an der Berliner Staatsoper gewesen...
