Körperstimmen
Er schafft es immer wieder. Das scheinbar Vertraute neu zu sehen und neu zu hören. Als wären wir ihm nie begegnet. Mozart zum Beispiel schickte er vor ein paar Jahren in die Banlieues. Bach hat er befragt und Monteverdi. Und zuletzt die C(h)œurs von Verdi und Wagner. Ihren Puls, das in ihnen Pochende, aus ihnen Drängende will Alain Platel uns unter die Haut treiben.
Die Wut des Dies irae im Requiem, das Rebellische im Wach auf! der Meistersinger, das Vordergründige des Machtjargons im dritten Lohengrin-Aufzug (Heil! König Heinrich! Heil!) – Platel lässt die Königsweise von einem seiner Tänzer singen, sprachlos, daaa da da daaa, mit brüchiger Stimme, eine geprügelte Kreatur, der der Angstschweiß auf der Stirn steht, als der unsichtbare Chor Für deutsches Land das deutsche Schwert fordert. Hier rückt die Close-up-Einstellung, die Bildregisseur Andreas Morell allzu häufig wählt und damit die Panoramaperspektive, die Tableaus der Masse fast an den Rand drängt, einen von allen entfernten Isolierten in den Blick, ungeschminkt, ausgeliefert kollektiver Hysterie. Die Kameras bleiben den zehn Tänzerinnen und Tänzern der ballets C de la B auch sonst dicht auf den Fersen, ihren spastisch ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
Im Jahr 1940 richteten die Nationalsozialisten auf dem Gelände der Heilanstalt Am Steinhof eine «Kinderfachabteilung» unter der Flurbezeichnung «Spiegelgrund» ein. Ihre Aufgabe war, «lebensunwertes Leben» zu vernichten. Im April 2002 wurden in Wien die Überreste von 789 der ermordeten Kinder auf dem Zentralfriedhof bestattet. Ein später Akt der Rehabilitierung....
arte
1./7.3. – 6.00 Uhr
Arcadi Volodos
aus dem Musikverein Wien. Werke von Schumann und Liszt.
2.2. – 5.10 Uhr (3)
3.3. – 18.00 Uhr (4)
Operngeschichten.
Dokumentationsreihe von
Nicolas Crapanne. 3. La clemenza di Tito. 4. Carmen.
3.3. – 18.30 Uhr
8./19.3. – 6.00 Uhr
Kurt Masur dirigiert
Beethoven, Brahms und Bach. Gewandhausorchester Leipzig und Thomanerchor Leipzig.
Solist...
Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...
