Kleiner Mann, was nun?
Sowohl Claus Guth (in Hamburg) als auch Anselm Weber (in Essen) standen vor dem nahezu unlösbaren Problem, etwas Eigenes zum Thema «Siegfried» zu (er)finden. Mit Hilfe ihrer Bühnen- und Kostümbildner dekorierten sie das Ganze einfach um, wobei die «neuen» Schaufenster nicht viel anders ausschauten als viele alte zuvor. Claus Guth wollte die Geschichte wohl als eine Art Initiationsritus zeigen: von der Tumbheit über die Unstäte zur sexuellen Befreiung. Zunächst tummeln sich Siegfried und Mime wie halbstarke Knaben in einer bunkerähnlichen Garage.
Knäbische Fantasien beflügeln die Aktionen. Die Schwertstücke werden auf einer Waschmaschine zerstäubt, in einer Montagegrube wird mittels Benzin das Schmiedefeuer entzündet und mit Möbelteilen beheizt. Am Ende wirft Siegfried seine Spielzeugpuppe hinein, die er bis dahin immer wieder heftig an die Brust gedrückt hatte. Wotan-Wanderer schaut besorgt herein wie der Hausmeister von nebenan. Alles schön menschlich: Kleiner Mann, was nun?
Im zweiten Akt blickt man auf ein weites Zimmerrund mit einem großen Fensterausschnitt, der wie ein Wintergarten mit Pflanzendickicht gefüllt ist. Den dumpf dröhnenden Drachen sieht man nicht, aber der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Südkoreanerin Eunju Kwon (24) hat den mit 15 000 Euro dotierten Ersten Preis des Internationalen Gesangswettbewerbs «Neue Stimmen» der in Gütersloh ansässigen Bertelsmann Stiftung gewonnen. Die Sopranistin überzeugte die Jury unter dem Vorsitz von Dominique Meyer mit den Arien «No word from Tom» aus der Oper «The Rake’s Progress» von Igor Strawinsky und «Eccomi...
Kaija Saariahos erste Oper «L’Amour de loin» war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und kam im Sommer 2000 in der Felsenreitschule heraus, dirigiert von Kent Nagano (siehe OW 11/2000). Fünf Jahre später wurde die Inszenierung von Peter Sellars an der Oper von Helsinki auf DVD mitgeschnitten, nun dirigiert von Saariahos Landsmann Esa-Pekka Salonen. Wie bei...
In letzter Zeit findet Händels 1713 uraufgeführter «Teseo» verstärkt Interesse an deutschen Bühnen: Nachdem eine (auf DVD erhältliche) Tourneeproduktion in der Regie von Axel Köhler und vor allem die Aufführung an der Komischen Oper Berlin (2008) das dramatische Potenzial von Händels Version des Medea-Stoffes ausgelotet hatten, wagte sich im Mai dieses Jahres die...
