Keine Nuance geht verloren
Countertenöre scheinen die Welt der Barockoper heute so zu beherrschen, wie es früher die Kastraten taten, als deren moderne Wiedergänger die falsettierenden Sänger heute oft verstanden werden. «Historisch informiert», wie eine häufig gebrauchte Zauberformel der Aufführungspraxis lautet, ist diese Besetzungsoption freilich nicht. Würde man sich anhand der Quellen etwa der Händel-Zeit tatsächlich informieren, käme man zur Erkenntnis, dass Countertenöre wohl in Kirchen und Konzertsälen zu erleben waren, so gut wie niemals aber als Ersatz für Kastratensänger auf der Opernbühne.
Wenn kein Kastrat zur Verfügung stand, sei es wegen Erkrankung oder wegen überhöhter Gagenforderung, traten Sängerinnen en travesti, also im Männerkostüm an ihre Stelle. Einige Sängerinnen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts waren sogar spezialisiert auf Heldenrollen, die sie überaus erfolgreich an vielen, auch großen Bühnen sangen.
Als in den 1970er-Jahren die Renaissance der Barockoper begann, waren es zunächst Künstlerinnen vom Format einer Marilyn Horne, die in den Primo uomo-Partien Händels oder Vivaldis beeindruckten. Dann begann der bis heute anhaltende Siegeszug der Countertenöre, neben denen sich nur ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Thomas Seedorf
Den Psychothriller des italo-amerikanischen Neoveristen mit dem grotesken Bilderbogen des seriellen Nachkriegsavantgardisten, sprich: Gian Carlo Menottis «The Medium» und Bruno Madernas «Satyricon», zu einem Doppelabend zusammenzuspannen, mochte zunächst irritieren, erwies sich aber als höchst hintersinnige, ja geradezu spannende Konfrontation zweier nur scheinbar...
Diesem Mann ist nicht zu helfen. Während seine einstige Liebe Stella im Theater singt, sehen wir den erfolglosen Dichter Hoffmann im Bistro nebenan, hin- und hergerissen zwischen Schreiben und Trinken. Um ihn herum stapeln sich die getippten Manuskriptseiten, aus dem Off erklingen die Geister des Bieres und des Weins, bis er schließlich betrunken am Boden liegt....
Für Wilhelm Furtwängler war er der «schwärzeste Bass» auf Erden, aber es ist nicht allein dieser Superlativ, der Gottlob Frick (1906-1994) zu einem Jahrhundertsänger machte. Ein unverwechselbares Timbre, makellose Technik und eine unbestechliche künstlerische Integrität zeichneten ihn aus und sicherten seinen Nachruhm. Mehr als fünf Jahrzehnte lang (1934-1985) war...
